Frei#  Calprotektin ist ein Calcium und Zink-bindendes Protein mit antimikrobiellen Eigenschaften. Als Bestandteil von neutrophilen Granulozyten, Monozyten und Epithelzellen ist es bei entzündlichen Darmerkrankungen, aufgrund der Leukozytenmigration durch die Darmwand, mit erhöhten Werten im Stuhl nachweisbar. Es tritt jedoch auch bei neoplastischen Erkrankungen, bei Mukoviszidose und bei Kleinkindern auf.

Eine aktuelle Studie untersuchte, ob die Bestimmung von Calprotektin im Stuhl (fecal calprotectin, FC) den Beginn einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung (CED, inflammatory bowel disease) mit hoher Treffsicherheit und Präzision vorhersagen kann. Forscher ermittelten nun die Effizienz der FC-Bestimmung neben der endoskopischen Diagnostik bei Erwachsenen und Kindern mit Verdacht auf eine CED.

Die Wissenschaftler erarbeiteten einen Entscheidungsbaum um die Kosteneffizienz der FC-Bestimmung vor der endoskopischen Untersuchung mit der alleinigen endoskopischen Abklärung zu vergleichen. Des Weiteren wurde die Kosteneffizienz der FC Cutoff bzw. Toleranzlevel von 100 ?g/g bzw. 50 ?g/g (normalerweise genutzt für entzündliche Darmerkrankungen) zu vergleichen. Primäres Outcome der Studie stellten die maximal nötigen Kosten dar, die nötig waren um ein falsch negatives Ergebnis in der Diagnostik einer möglichen Neumanifestation einer CED zu vermeiden.

Bei Erwachsenen sparte das FC Screening $417 pro Patient ein, verzögerte jedoch die Diagnose für 2,2 von 32 untersuchten Patienten, von denen 32 Patienten CED hatten. Bei Kindern sparte das FC Screening $300 pro Patient ein und verzögerte die Diagnose der CED für 4,8 von 100 untersuchten Patienten, von denen 61 CED hatten. Falls die endoskopische Biopsie weiterhin das Standardverfahren der Diagnostik blieb, würden Mehrkosten für die direkte endoskopische Beurteilung von $18955 für Erwachsene und $6250 für Kinder entstehen um ein falsch negatives Ergebnis nach der FC Bestimmung zu vermeiden. Die Sensitivitätsanalyse zeigte, dass die Kosteneffizienz des FC Screenings abhängig von der Sensitivität des Tests und der Vortestwahrscheinlichkeit einer CED ist. Bei einer Vortestwahrscheinlichkeit von ?75% bei Erwachsenen und ?65% bei Kindern zeigte sich die FC Bestimmung Kosteneffizient, jedoch nicht bei Wahrscheinlichkeiten von ?85% bzw. ?78%. Im Vergleich zum Cutoff-Level von 100 ?g/g, stiegen die Kosten beim Cutoff-Wert von 50?g/g um $55 pro Erwachsenen bzw. $43 pro Kind. Allerdings wurden mit Hilfe dieses niedrigeren Cutoff-Wertes auch mehr richtige Diagnosen einer CED gestellt (2,4 bzw. 6,1 pro 100 Patienten).

Fazit: Die Messung von Calprotektin im Stuhl ist Effektiv und Kosteneffizient um chronisch entzündliche Darmerkrankungen bei Erwachsenen und Kindern zu diagnostizieren, deren Vortestwahrscheinlichkeit für diese Erkrankungen bei ?75% bzw. ?65% liegt. Der Nutzen des Tests ist für Erwachsene größer als für Kinder. Das Absenken des Cutoff-Wertes von ?100 ?g/g auf ?50 ?g/g erhöht die Diagnostische Genauigkeit ohne die Gesamtkosten erheblich zu vergrößern.

Medknwowledge-Anmerkung: Sagen wir es mal einfacher, Calprotektin-Stuhltest ist eine im Vergleich zur Koloskopie eine nicht-invasive und kostengünstige diagnostische Methode, die durchaus zur Diagnose und Therapieführung bei M. Crohn und Colitis Ulcerosa eingesetzt werden kann. Der Nachteil ist die verzögerte Diagnosestellung. Daher sollten Patienten mit deutlicher Symptomatik für CEDs direkt endoskopisch untersucht werden, während die Anderen einem Calprotektin-Screeningtest unterzogen werden können. Je nach Ergebnis , könnten dann die weiteren Untersuchungen erfolgen.

1-Yang Z et al. Effectiveness and cost-effectiveness of measuring fecal calprotectin in diagnosis of inflammatory bowel disease in adults and children. Clin Gastroenterol Hepatol 2014 Feb; 12:253

 

 

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