Frei#  Der Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung für Männer und Frauen in Deutschland. Meist ist er im Kolon lokalisiert und tritt typischerweise nach dem 50. Lebensjahr und einer Lebenszeitprävalenz von 6 % auf. Unter anderem können Übergewicht, Alkohol-, Zigarettenkonsum und kolorektale Adenome einen Darmkrebs begünstigen. Mittels Koloskopie können Adenome, die häufig Vorstufen des Darmkrebses sind, erkannt und entfernt werden. In diesem Kontext stellt sich die Frage, inwieweit bestimmte Faktoren das Ergebnis solch einer Koloskopie beeinflussen. Hierzu führten Forscher aus England eine Beobachtungsstudie durch. Das Ziel war es die technischen Faktoren, die mit der Koloskopie Erkennung von Adenom zusammenhängen, zu identifizieren.

Patienten und Methoden: Die Studie analysierte Daten aus dem englischen Darmkrebs-Screening-Programm (English Bowel Cancer Screening Programme). Die Indikation für alle Koloskopien war ein positiver Test auf okkultes Blut. Die Beziehungen zwischen den folgenden Faktoren der Koloskopie und der Adenom-Erkennung (ein oder mehrere Adenome, fortgeschrittene Adenome, rechtsseitige Adenome und die Gesamtzahl von Adenomen) wurden in multivariablen Analysen untersucht: Vorbereitungsqualität der Darmuntersuchung, Intubation der ileozäkalen Klappe, Rückzugszeit des Koloskops, Retroversion des Koloskops aufs Rektum, Erfahrung des Koloskopikers, Verwendung von Muskelrelaxantien sowie Sedierungsmittel und zeitlicher Beginn des Verfahrens. Die folgenden Patientenfaktoren wurden kontrolliert: Alter, Geschlecht, Body-Mass-Index, Rauchen, Alkohol, Alkoholentzug und die geografische Lage.

Ergebnisse: Es wurden insgesamt 31.088 Koloskopien analysiert. Die folgenden technischen Faktoren erhöhte das relative Risiko der Adenom-Erkennung: Intubation der ileozäkalen Klappe, verlängerte Rückzugszeit des Koloskops (> 10Min.), höhere Qualität der Darmvorbereitung, intravenöse Anwendung von Muskelrelaxantien, frühere Koloskopie-Termine am Tag (P = 0,018) und größere Erfahrung des Koloskopikers. Die Erkennung von fortgeschritteneren und rechtsseitigen Adenomen erhöhte sich auch mit diesen Faktoren. Die Erkennung von Adenomen unterschied sich nicht zwischen einer Koloskopie mit oder ohne Sedierung (P = 0,143).

Fazit: Die Studie zeigte, wichtige Zusammenhänge zwischen Koloskopie-Durchführung und Adenom-Erkennung. Vor allem waren die Verwendung von intravenösen Muskelrelaxantien und längere Rückzugszeit des Koloskops mit einer erhöhten Adenom-Erkennung verbunden. Die Auswirkung der Startzeit einer Koloskopie legt nahe, dass die Müdigkeit eines Endoskopikers eine nachteilige Auswirkung auf die Adenom-Erkennung hat.

1-Lee TJ et al. Colonoscopic factors associated with adenoma detection in a national colorectal cancer screening program. Endoscopy 2014 Mar; 46:203

 

 

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