Frei#  Prospektive Kohortenstudie über sechs Jahre: Wiederkehrende Bauchschmerzen sind ein bekanntes Problem bei Kindern.

Klinische Kriterien (z.B.: Rom-III-Konsensus-Kriterien) wurden eingerichtet um die Diagnosestellung zu erleichtern. Studien bei Erwachsenen haben gezeigt das eine erhöhte Prävalenz für Zöliakie bei Patienten mit Reizdarmsyndrom (irritable bowel syndrom, IBS) besteht. Nur wenige Daten existieren für diesen Zusammenhang für Kinder.

Ziel einer aktuellen Studie aus Italien war es daher die Prävalenz der Zöliakie bei Kindern mit Bauchschmerzen und gastrointestinalen Beschwerden (klassifiziert nach den Rom-Kriterien) zu ermitteln.

---Anmerkung: Rom-III-Konsensus-Kriterien für das Reizdarmsyndrom:

- abdominale Beschwerden an mindestens 3 Tagen im Monat während der letzten 3 Monate mit Beginn

insgesamt vor mehr als 6 Monaten plus mindestens zwei der folgenden Kriterien

1. Besserung nach Stuhlgang

2. Beginn in zeitlichem Zusammenhang mit Änderung der Stuhlfrequenz (häufiger / weniger häufig)

3. Beginn in zeitlichem Zusammenhang mit Veränderung der Stuhlkonsistenz (breiiger / fester)

Andere Ursachen (z. B. Tumor, Infektion etc.) müssen ausgeschlossen sein. ---

Im Rahmen einer sechs Jahre andauernden prospektiven Kohortenstudie (von 2006 bis 2012) wurden 992 Kindern im südlichen Italien (z.B.: Bari) fortlaufend untersucht. Davon waren 42,8% männlich und hatten ein mittleres Alter von 6,8 Jahren. Sie wurden nach Überweisung aufgrund von wiederkehrenden Bauchschmerzen untersucht und über den Zeitraum weiter beobachtet. Die Beschwerden der Patienten wurden mittels der Rom-III-Konsensus-Kriterien klassifiziert in IBS, funktionelle Dyspepsie, funktionelle Bauchschmerzen sowie abdominale Migräne.

Primärer Messwert der Untersuchung stellte die Prävalenz der Zöliakie bei den untersuchten Patienten dar. Die Konzentrationen von IgA, IgA Anti-Tissue-Transglutaminase und Endomysium-Antikörper wurden bestimmt und im Falle eines positiven Antikörper Nachweises eine Duodenalbiopsie durchgeführt.

Von den 992 untersuchten Kindern hatten 270 ein Reizdarmsyndrom, 201 eine funktionelle Dyspepsie und 311 funktionelle Bauchschmerzen. 210 Kinder wurden von Studie ausgeschlossen, da sie eine organische oder funktionelle gastrointestinale Störung aufwiesen, die nicht mit schmerzen in Zusammenhang stand. Bei 15 der insgesamt 782 Kinder wurde bei den serologischen Tests eine Zöliakie nachgewiesen (12 von 270 Patienten mit Reizdarmsyndrom (4,4%), 2 von 201 Patienten mit funktioneller Dyspepsie (1%) sowie 1 von 311 Kindern mit funktionellen Bauchschmerzen (0,3%)). Kinder mit Reizdarmsyndrom hatten demnach ein vier mal höheres Risiko an Zöliakie zu erkranken (odds ratio 4,19; p<0,001).

Fazit: Die Prävalenz der Zöliakie bei Kindern mit Reizdarmsyndrom (4.4%) in dieser Untersuchung war viermal so hoch wie in der gesamten pädiatrischen Population. Die Rom-III-Konsensus-Kriterien zur Klassifikation der schmerzbedingten funktionellen gastrointestinalen Störung könnte demnach helfen Kinder für ein Zöliakie-Screening auszuwählen.

Anmerkung: Anscheinend ist es sinnvoll, bei Kindern mit Verdacht auf Reizdarmsyndrom Zöliakie zunächst auszuschließen.

1-Cristofori F et al. Increased prevalence of celiac disease among pediatric patients with irritable bowel syndrome: A 6-year prospective cohort study. JAMA Pediatr 2014 Apr 21

 

 

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