Für Patienten, die regelmäßig, niedrig dosiert Aspirin einnehmen, ist es wichtig, die Risikofaktoren für Schäden im Magendarmtrakt zu identifizieren, um einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen. Jedoch gibt es nur wenige Studien, die die Risikofaktoren für Verletzungen des Dünndarms bei diesen Patienten beschrieben haben.

Ziel einer aktuellen Studie (1) aus Japan war es, Risikofaktoren für Schleimhautrisse im Dünndarm zu untersuchen. Diese Faktoren wurden bei Patienten, die regelmäßig niedrig dosiertes Aspirin einnehmen, analysiert.

Hierfür wurden prospektiv Kapselendoskopiedaten von 5 Einrichtungen gesammelt. Zu diesen Einrichtungen gehören das Krankenhaus der Yokohama City Universität, sowie 4 weitere Krankenhäuser. Bei einer Kapselendoskopie schluckt der Patient eine kleine Kapsel, die eine Kamera enthält. Hierdurch können auch Darmabschnitte von Innen beurteilt werden, die bei einer herkömmlichen Magen-Darm-Spiegelung nicht zugänglich sind.

Insgesamt wurden 205 Patienten eingeschlossen, die über 3 Monate eine Behandlung mit niedrig dosiertem Aspirin erhielten.

Vor der kapselendoskopischen Untersuchung wurde bei jedem Patienten sowohl eine Dickdarmspiegelung, als auch eine Spiegelung des oberen Magendarmtraktes durchgeführt.

Von 198 Patienten, die in die Analyse eingeschlossen wurden (141 Männer; Durchschnittsalter 71,9 Jahre), hatten 114 (57,6%) mindestens einen Schleimhautdefekt. Eine multivariate Datenanalyse identifizierte den Gebrauch von Protonenpumpeninhibitoren (PPIs, Magensäurehemmer) und magensaftresistenten Aspirintabletten als unabhängigen Risikofaktor für das Auftreten von Schleimhautschäden. Da es sich hierbei um eine Querschnittstudie handelt, ergeben sich im Vergleich zu anderen Studientypen Einschränkungen.

Fazit: Zusammenfassend kann man sagen, dass für Patienten, die regelmäßig niedrig dosiertes Aspirin in Kombination mit PPIs einnehmen, scheinbar ein erhöhtes Risiko für Schleimhautschäden im Dünndarm besteht. Kliniker sollten sich über diesen Effekt von PPIs bewusst sein. Aus diesem Grund werden neue Strategien benötigt, um Aspirin induzierte Magen-Darm-Erkrankungen zu behandeln.

Anmerkung: Wahrscheinlich begünstigen die PPIs durch die Säurehemmung die bakterielle Kolonisation im Dünndarm. Bei zusätzlicher ASS-Gabe werden die Mukosa-Schäden möglicherweise verstärkt. Das wäre eine Hypothese, die erklären könnte, warum unter PPI ASS mehr Schäden im Dünndarm richtet.

1-Endo H et al. Risk factors for small-bowel mucosal breaks in chronic low-dose aspirin users: Data from a prospective multicenter capsule endoscopy registry. Gastrointest Endosc. 2014 May 13. pii: S0016-5107(14)01292-9. doi: 10.1016/j.gie.2014.03.024

 

 

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