Frei#  Hintergrund der im NEJM publizierten Studie war die Frage, ob eine rasche Senkung des Blutdrucks das Behandlungsergebnis von Patienten mit akuter Gehirnblutung verbessern könnte.

Die Antwort laut der Ergebnisse der INTERACT-2.Studie ist: JA

Hierzu wurden 2839 Patienten, welche innerhalb eines Zeitraums von 6 Stunden vor Krankenhausaufnahme eine spontane intrazerebrale Blutung gehabt hatten sowie einen erhöhten systolischen Blutdruck aufwiesen, randomisiert zwei unterschiedlichen Gruppen zugeteilt.

Die eine Gruppe erhielt eine intensive Behandlung zur Blutdrucksenkung mit einem systolischen Zielwert von <140 mm Hg innerhalb der ersten Stunde nach Behandlungsbeginn. In der zweiten Gruppe wurde die entsprechend den Richtlinien empfohlene Behandlungsstrategie verfolgt, welche einen systolischen Zielwert von <180 mm Hg vorsieht.

Pharmakologische Präparate wurden auf Entscheidung des jeweiligen behandelnden Arztes ausgewählt. Als primärer Endpunkt galten der diagnostizierte Tod sowie mittelschwere bis schwere Formen von Behinderungen, welche mit 3-6 Punkten mittels der modifizierten Rankin-Skala am 90. Behandlungstag festgestellt wurden. Auf Basis dieser Punktwerte wurde eine Ordinalskala basierte statistische Auswertung vorgenommen um die Rate von aufgetretenen schwerwiegenden Vorfällen zwischen den beiden Behandlungsgruppen zu vergleichen.

Erklärung Medknowledge: Die modifizierte Rankin Skala ist eine standardisierte Maßzahl zur Beschreibung des Ausmaßes einer Behinderung aufgrund eines Schlaganfalls. Hierbei kodiert die Punktzahlen klinische Beobachtung wie folgt: 0: „keine Symptome", 1 „keine für Alltagsaktivitäten relevante Beeinträchtigungen", 2 „leichte Beeinträchtigung, welche jedoch ohne Fremdhilfe bewältigt werden kann, 3 „mittelschwere Beeinträchtigung, welche Hilfe im Alltag abverlangt", 4 „höhergradige Beeinträchtigung, welche Hilfe bei der Körperpflege miteinschließt", 5 „schwere Behinderung, welche mit Bettlägerigkeit, Inkontinenz und ständiger Pflege einhergeht" und 6 „Tod infolge des Apoplex").

In der Ergebnisauswertung konnten 2794 berücksichtigt werden. Bei 719 von 1382 Patienten (52%) der Studienteilnehmer in der Gruppe mit einer intensiven Behandlung zur Blutdrucksenkung lag ein primärer Endpunkt vor (Skalenpunkt 3-6), im Vergleich zu 785 von 1412 Patienten (56.6%) in der Gruppe welche gemäß der Richtlinien behandelt worden war. Die Odds Ratio für eine intensive Blutdruckbehandlung liegt somit bei 0.87 (95%iges Konfidenzintervall 0.75-1.01; p-Wert=0.06). In der auf einer Ordinalskala basierten Analyse ergaben sich signifikant niedrigere Rankin Punktwerte für die Patientengruppe mit Intensivbehandlung (Odds Ratio für mittelschwere, höhergradige und schwere Behinderung 0.87; 95%iges Konfidenzintervall 0.77-1.00; p-Wert=0.04). Die Mortalität unterschied sich zwischen den beiden Gruppen mit 11.9% bzw. 12.0 % nicht signifikant, ebenso wenig die Rate von nichttödlichen unerwünschten Ereignissen (23.3% bzw. 23.6%).

Fazit: Eine intensive Blutdrucksenkung bei Patienten mit akuter Gehirnblutung führte nicht zu einer signifikanten Reduktion von Tod oder mittelschwerer bis schwerer Formen von Behinderung. In einer Ordinalanalyse basierend auf Punktwerten der modifizierten Rankin-Skala zeichnete sich jedoch eine Verbesserung des funktionellen Ergebnisses nach erfolgter Intensivbehandlung ab.

1-Anderson CS et al. Rapid blood-pressure lowering in patients with acute intracerebral hemorrhage. N Engl J Med 2013 May 29

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