Die standartisierte Beurteilung des Zustands eines Patienten mit Bewusstseinsstörung (disorders of conciousness, DOC) beruht auf der Beobachtung der motorischen Funktion. Es kann dadurch unter Umständen zu falschen Befunden hinsichtlich des vegetativen Status des Patienten oder zur Diagnose des sogenannten Zustands minimalen Bewusstseins trotz erhaltener kognitiver Fähigkeiten kommen.

Eine aktuelle Studie (1) nutzte konventionelle Elektroenzephalographie (EEG), um eine Gruppe von Patienten mit Bewusstseinsstörung zu evaluieren. Bei einem Teil der Patienten wurde zuvor deren Fähigkeit zur Reaktion auf Anweisungen (command-following) mittels funktioneller Magnetresonanztomographie (fMRT) beurteilt. Die Ergebnisse dieser Methoden wurden im Anschluss mit der standardisierten klinischen Untersuchung und der Stoffwechselaktivität des Gehirns verglichen.

Die Forscher bezogen 44 Patienten mit schwerem Hirnschaden ein. Mit Hilfe von standardisierten klinischen Untersuchungen wurde das Verhalten der Patienten beurteilt. Das Langzeit-EEG wurde insbesondre hinsichtlich wachsamer Hintergrundaktivität (wakeful background organisation) und dem Vorhandensein von Schlafarchitektur beurteilt. Ein fMRT wurde bei 26 Patienten durchgeführt. Dem Patienten wurden dabei Aufgaben gegeben, die es ermöglichten das motorische System zu testen. Bei 31 Patienten wurde eine 18-FDG-PET (Flourdesoxyglucose-Positronen Emissionstomographie) durchgeführt, um die metabolische Aktivität des Gehirns in Ruhe zu beurteilen.

Bei den vier Patienten mit verdeckter Aktivität im fMRT wurde durchgehend eine gut organisierte Hintergrundaktivtät im EEG bei Wachsamkeit, spindling-Aktivität während dem Schlaf und ein relativer Erhalt der metabolischen kortikalen Aktivität diagnostiziert. Bei keinem der Patienten zeigte sich eine signifikante Assoziation der Befunde im EEG bzw. der Hirnstoffwechsel-Aktivität und den Ergebnissen der klinischen Untersuchung. Nur in wenigen Fällen mit extrem pathologischem EEG wurde ein Zusammenhang gefunden.

Fazit: Eine konventionelle Elektroenzephalographie ist, neben der klinischen Untersuchung und bildgebenden Verfahren, eine zusätzliche diagnostische Möglichkeit bei der Behandlung von Patienten mit Bewusstseinsstörung. Erhaltene spezifische Muster im EEG können ein Hinweis auf nicht erkannte kognitive Fähigkeiten bei Patienten mit ausgedehntem Hirnschaden und kaum vorhandenen motorischen Antworten sein.

Anmerkung: Umgekehrt könnte man schlussfolgern, dass die Koma-Patienten mit schweren Veränderungen im EEG kaum kognitive Reserven hätten.

1-Forgacs PB et al. Preservation of electroencephalographic organization in patients with impaired consciousness and imaging-based evidence of command-following. Ann Neurol. 2014 Dec;76(6):869-79

 

 

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