Frei# Bei vielen Patienten wird inzwischen selbst bei unspezifischen Beschwerden wie Schwindel oder Synkopen eine Karotis-Doppler-Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Als Folge werden bei vielen hochgradige Karotisstenosen (>70%) diagnostiziert, obwohl viele dieser Patienten weder eine Schlaganfall noch eine TIA-Vorgeschichte haben, werden sie oft einer operativen Endarteriektomie unterzogen, oder erhalten einen Karotisstent. Folgedessen steigen die Zahlen der Karotis-Eingriffe in den westlichen Ländern, allen voran in den USA.

Eine aktuelle Studie in "JAMA Neurology" untersuchte das Risiko der Progression einer Karotisstenose zu einem kompletten Karotisverschluss und des damit verbundenen Risikos für Schlaganfall und der Mortalität.

Die Autoren führten eine retrospektive Analyse der Daten der "Stroke Prevention Clinic of Victoria" in Kanada von 1990 bis 2012. Die Patienten wurden bis 2014 beobachtet.

Insgesamt wurden 3681 Patienten mit Karotis-Ultraschalluntersuchung identifiziert.

Bei 8.6% der Patienten kam es in der Beobachtungszeit zu einem asymptomatischen Karotisverschluss. Die meisten neuen Verschlüsse traten bis 2012 auf, wo die medikamentöse Therapie (wie Statine, Blutdruckkontrolle, anti-thrombotische Substanzen) weniger intensiv war.

Nur ein Patient mit einem neuen Karotisverschluss (0.3%) hatte einen Schlaganfall, und 3 Patienten einen ipsilateralen Schlaganfall (0.9%) in der Beobachtungszeit.

Weder die Schwere der Karotisstenose, noch kontralaterale Karotisstenosen auf der anderen Seite konnten das Risiko für ipsilateralen Schlaganfall, TIA oder Sterblichkeit voraussagen. Nur Alter, Geschlecht und Karotis-Plaque-Dichte waren unabhängige Risikofaktoren für diese Ereignisse.

Fazit der Autoren: Das Risiko der Progression einer Karotisstenose zu einem kompletten Verschluss, der zu einem akuten Schlaganfall führt, ist geringer als das perioperative Risiko einer Endarteriektomie oder Karotisstent-Anlage.

Diese Ergebnisse sind auf die medikamentöse Therapie (Statine, offensive Blutdruckontrolle, antithrombotische Substanzen) zurückzuführen, die in den letzten Jahren intensiviert wurde.

Die Autoren schlussfolgern, dass die Prävention eines kompletten Karotisverschlusses bei asymptomatischen Patienten mit chronischer Karotisstenose KEINE Indikation für invasive Eingriffe ist.

Medknowledge-Anmerkung: Eindeutiger kann man es nicht ausdrücken. Ob die Ergebnisse einen Einfluss auf die laufende Maschinerie haben werden, ist noch abzuwarten. Des Weiteren macht anscheinend ein Karotisstenose-Screening bei asymptomatischen Patienten wenig Sinn, und würde vermutlich zu einer Überdiagnose und Übertherapie führen.

Yang et al: Risk of Stroke at the Time of Carotid Occlusion. JAMA Neurol. Published online September 21, 2015

 

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