Viele orthopädische Operationen können sowohl in Regionalanästhesie als auch in Vollnarkose durchgeführt werden. Wissenschaftler stellten die Hypothese auf, dass der totale Hüftgelenksersatz durch eine Endoprothese (Hüft-TEP) unter Regionalanästhesie mit einer niedrigeren postoperativen Mobidität und Mortalität einhergeht als unter Vollnarkose.

In der retrospektiven propensity-matched Kohortenstudie (Anmerkung: statistisches Verfahren zur Verknüpfung gemeinsamer Merkmale mehrerer Datensätze mit dem Ziel einer ganzheitlichen Auswertung verschiedener Quellen) wurde die ACS NSQIP Datenbank genutzt (American College of Surgeons National Surgical Quality Improvement Program) Es wurden Informationen von Patienten gesammelt, die im Zeitraum von 2007 bis 2011 mit einem endoprothetischen Hüftgeleksersatz versorgt wurden.

Nach der Verknüpfung der Datensätze wurde eine logistische Regression genutzt um den Zusammenhang zwischen der Narkoseform und der Häufigkeit von tiefen Wundinfektionen, stationärer Aufenthaltsdauer, Mortalität innerhalb der ersten 30 Tage nach Operation und kardiovaskulärer bzw. Pulmonaler Komplikationen zu ermitteln.

Von den 12929 Operationen wurden 5103 (39,5%) in Regionalanästhesie durchgeführt. Das adjustierte Odds Ratio für tiefe Wundinfektionen war signifikant geringer in der Gruppe mit Regionalanästhesie (0,38, p<0,01).

Die Dauer des stationären Aufenthaltes wurde mittels Regionalanästhesie um 5% gesenkt (p<0,001), das entspricht einer Reduktion von 0,17 Tagen pro Operation. Auch wurde die Wahrscheinlichkeit für einen verlängerten stationären Aufenthalt um 27% gesenkt (OR=0,73, p<0,001).

Die Mortalitätsrate war nicht signifikant geringer (OR=0,78; p>0,05). Das adjustierte Odds Ratio für kardiovaskuläre Komplikationen (OR=0.61) bzw. Pulmonaler Komplikationen (OR=0,51) war jeweils niedriger in der Gruppe mit Regionalanästhesie.

Fazit: Im Vergleich zur Vollnarkose war die Regionalanästhesie beim operativen Verfahren des endoprothetischen Hüftgeleksersatzes (Hüft-TEP) mit einer Reduktion von tiefen Wundinfektionen, der Hospitalisierungsdauer und der Häufigkeit kardiovaskulärer und pulmonaler Komplikationen assoziiert.

Diese Ergebnisse könnten einen wichtigen medizinischen und ökonomischen Einfluss auf das praktische Vorgehen in diesem speziellen Bereich des Gesundheitswesens haben.

Anmerkung: Die meisten Outcome waren unter Regionalanästhesie besser. In Deutschland werden Hüft- oder Knie-TEP im Vergleich zu USA kaum unter Regionalanästhesie operiert. Vielleicht könnten die Ergebnisse dieser Studie einen Anlass zum Umdenken geben.

1-Helwani et al. Effects of regional versus general anesthesia on outcomes after total hip arthroplasty: A retrospective propensity-matched cohort study. J Bone Joint Surg Am. 2015 Feb 4;97(3):186-93.

 

 

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