Frei# Multicenter open-label Studie in "Seminars in Arthritis and Rheumatism" mit 22 Patienten (1).

Die hochdosierte Kortison-Therapie, ist die Hauptsäule der Therapie, der Riesenzellarteriitis. Wenn jedoch die Glukokortikoide abdosiert werden, steigt das Rezidivrisiko. Als Therapie-Optionen werden Immunsuppressiva, wie Methotrexat eingesetzt, um Kortison reduzieren zu können; Bisher hat sich jedoch noch kein Präparat etabliert.

Anmerkung: Tocilizumab ist ein humanisierter monoklonaler Antikörper gegen Interleukin 6. Zur Zeit ist der Wirkstoff zur Behandlung der rheumatoiden Arthritis und der systemischen juvenilen idiopathischen Arthritis zugelassen. Er wird dabei als Alternative oder Ergänzung zur Therapie mit Methotrexat eingesetzt.

In der aktuellen Studie versuchten Wissenschaftler die Effektivität von Tocilizumab in der Behandlung der Riesenzellarteriitis zu ermitteln. Die ausgewählten Patienten zeigten Zeichen einer Therapieresistenz und/oder litten unter nicht akzeptablen unerwünschten Wirkungen der Kortikosteroidtherapie.

In einer retrospektiven, multizentrischen, open-label Studie mit 22 Patienten wurde Tocilizumab zur Behandlung in der Standarddosierung von 8mg/kg/Monat eingesetzt. Die Hauptergebnisse waren das Erreichen einer vollständigen Remission sowie die Reduktion der Kortikosteroiddosis.

Das mittlere Alter der Patienten (Standardabweichung) betrug 69 Jahre (±8 Jahre).

Die wesentlichen klinischen Aspekte zu Beginn der Therapie mit Tocilizumab waren Polymyalgia rheumatica (n=16), Asthenie (n=7), Kopfschmerzen (n=5), konstitutionelle Symptome (n=4), Claudicatio masseterica (n=2), und Visusverlust (n=2).

Neben den Kortikosteroiden und vor dem Beginn der Therapie mit Tocilizumab hatten 19 Patienten bereits weitere herkömmliche Immunsuppressiva und/oder Biologica eingenommen.

Ebenfalls zeigten 19 von 22 Patienten eine rasche und andauernde klinische Besserung im Anschluss an die Therapie mit Tocilizumab. Nach einer medianen follow-up Zeit von 9 Monaten (Interquartilsabstand 6-19 Monate) sank der CRP Spiegel von 1,9 (1,2-5,4) auf 0,2 (0,1-0,9) mg/dl (p<0,0001).

Die Blutsenkungsgeschwindigkeit sank ebenfalls von 44 (20-81) auf 12 (2-20)mm in der ersten Stunde (p=0,001).

Die mittlere Dosierung von Prednisolon konnte von 18,75 (10-45) auf 5 (2,5-10) mg pro Tag gesenkt werden (p<0,0001).

Jedoch musste die Behandlung mit Tocilizumab bei drei Patienten wegen starker unerwünschter Arzneimittelwirkungen wie schwerer Neutropenie, rekurrierende Pneumonie und CMV-Infektion abgebrochen werden. Des Weiteren starb ein Patient nach der zweiten Tocilizumab-Infusion aufgrund eines Schlaganfalls bei infektiöser Endokarditis.

Fazit: Die Therapie mit Tocilizumab führt zu einer schnellen und anhaltenden Verbesserung des klinischen Zustands von Patienten mit Therapierefraktärer Riesenzellarteriitis und/oder nicht tolerierten unerwünschten Wirkungen der Kortikosteroidtherapie. Jedoch sollte das Infektionsrisiko beim Einsatz dieses Medikamentes bei der Behandlung mit beachtet werden, fast ein Drittel der Patienten entwickelten schwere Nebenwirkungen.

1- Loricera et al.: Tocilizumab in giant cell arteritis: Multicenter open-label study of 22 patients. Semin Arthritis Rheum. 2015 Jun;44(6):717-23

2-Tocilizumab (Actemra®): monoklonaler Antikörper bei rheumatoider Arthritis (RA)

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