Retrospektive Kohortenstudie in "Pediatrics" (1):

Die Appendizitis ist eine häufige, vorwiegend bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auftretende Entzündung des Wurmfortsatzes am Dickdarm. Im deutschen Sprachgebrauch wird dieses Krankheitsbild medizinisch unkorrekt als Blinddarmentzündung bezeichnet. Unterschieden werden komplikationslose und komplikationsreiche Verläufe. Bei den komplikationslosen Verläufen reicht eine perioperative antibiotische Behandlung meist aus, wohingegen die komplikationsreiche Appendizitis als Indikation für eine mehrtägige antibiotische Therapie gilt. Eine komplizierte Blinddarmentzündung liegt vor bei freier Perforation oder Nekrosen der Appendix mit Keimausbreitung in den Bauchraum. Die Leitlinien bei Appendizitis empfehlen zur Therapie der komplizierten Entzündung entweder den Einsatz von Schmalspektrum- oder Breitspektrumantibiotika.
Eine retrospektive Kohortenstudie in "Pediatrics" (1) verglich die Effektivität der beiden Antibiotikakategorien bei Kindern mit Appendizitis.
Eingeschlossen wurden Kinder im Alter von 3 bis 18 Jahren, die zwischen 2011 und 2013 in einer unabhängigen Kinderklinik bei Appendizitis appendektomiert und daraufhin entlassen wurden. Die Gruppen wurden eingeteilt in Patienten mit und ohne Komplikationen. Zu den Komplikationen zählten ein postoperativer Aufenthalt länger als 3 Tage, die Versorgung mit einem zentralen Venenkatheter, ein schweres Krankheitsgefühl oder die Aufnahme auf die Intensivstation. Untersucht wurde das Outcome bei Einsatz systemischer Breitbandantibiotika (Piperacillin ± Tazobactam, Ticarcillin ± Clavulansäure, Ceftazidim, Cefepim oder Carbapenem) am Tag der Operation oder einen Tag danach. Das primäre Outcome war eine erneute Krankenhauseinweisung innerhalb von 30 Tagen wegen Wundinfektion oder erneut notwendiger chirurgischer Intervention. Multivariable logistische Regressionen sowie das Prospensity Score Weighting und die Analyse von Untergruppen wurden genutzt zur Kontrolle von Störgrößen.
Von 24984 Patienten hatten 17654 (70.7%) eine komplikationslose Appendizitis. 7330 (29.3%) hatten eine Blinddarmentzündung mit Komplikationen. 664 Kinder (2.7%) erfuhren das primäre Outcome. Davon waren 1.1% aus der Gruppe ohne Komplikationen und 6.4% aus der Gruppe mit Komplikationen. Der Einsatz von Breitspektrumantibiotika zeigte eine signifikante Assoziation mit dem primären Outcome bei Komplikationen. Die Odds Ratios blieben konstant bei zusätzlichen Analysen.
Fazit: Breitspektrumantibiosen scheinen bei Kindern mit chirurgisch versorgter Blinddarmentzündung keinen Vorteil gegenüber Schmalspektrumantibiosen zu bieten, unabhängig davon, ob eine komplizierte oder unkomplizierte Appendizitis vorliegt.
Medknowledge-Anmerkung: Breitspektrumantibiotika verursachen häufiger Resistenzbildung und begünstigen Infektionen wie C. Difficile. So gesehen sind die Ergebnisse dieser Studie als positiv zu bewerten.

Kronman et al. Extended- versus narrower-spectrum antibiotics for appendicitis. Pediatrics, June 2016
http://pediatrics.aappublications.org/content/early/2016/06/24/peds.2015-4547

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