Frei#  In der renommierten Fachzeitschrift NEJM ist eine hervorragende Übersicht (1) zur Diagnose und Therapie der infektiösen Endokarditis erschienen. Die wichtigen Punkte des Übersichtsartikels stellen wir in Kurzform vor:

-Staphylokokken und Streptokokken sind in etwa 80% der Fälle ursächliche Erreger der infektiösen Endokarditis

-Zerebrale Komplikationen sind die häufigsten und schwersten nicht-kardialen Komplikationen. Klappen-Vegetationen, die groß, mobil und in der Mitralklappe lokalisiert sind, verursachen häufiger symptomatische Embolien.

-Identifikation des kausativen Erregers ist wichtig für die richtige Therapie: Zwei bis drei Blutkulturen sollten vor der Einleitung der Antibiotika-Therapie routinemäßig entnommen werden.

-Bei Verdacht auf infektiöse Endokarditis sollte Ecokardiographie so schnell wie möglich durchgeführt werden.

-Indikationen für Herzchirurgie: Symptomatische Herzinsuffienz, unkontrollierte Infektion, und Prävention von embolischen Ereignissen.

---Herzchirurgie-Indikationen für Embolie-Prävention: Große Vegetationen (>10mm) mit embolischen Episoden unter laufender Antibiotikatherapie; Große Vegetationen (>10mm) mit Komplikationen wie Herzinsuffienz, anhaltende Infektion, oder Abszesse.; Isolierte sehr große Vegetationen (>15mm

-Indikationen für Antibiotika-Prophylaxe bei invasiven zahnärztlichen Eingriffen sind auf folgende eingeschränkt: Patienten mit Herzklappenprothesen, mit Anamnese für infektiöse Endokarditis, oder mit unbehandelter kongenitaler Herzkrankheit.

-Therapie der ersten Episode einer infektiösen Endokarditis: Antibiotika-Therapie sollte umgehend nach Abnahme der Blutkulturen erfolgen. Auch in Abhängigkeit von Blutkultur-Ergebnissen sollte Ampicillin mit Sulbactam (Unacid) oer Amoxicillin mit Clavulansäure (Augmentan) in Kombination mit Gentamicin gegeben werden.

-Antikoagulation: Bisherige Daten deuten darauf hin, dass eine vorhandene orale Antikoagulation bei Herzklappenprothese-Patienten mit infektiöser Endokarditis durch S. auereus das Risiko für Hirnblutungen erhöht, ohne das Risiko für Embolien zu senken. Die European Society of Cardiology (ESC) empfiehlt für Patienten, die bereits vor infektiöser Endokarditis oral antikoaguliert waren, die orale Antikoagulation (~Marcumar und Co.) für 2 Wochen durch Heparine zu ersetzen (Überbrückung). Die ESC betont jedoch gleichzeitig, dass die vorhandene Evidenz für diese Empfehlung eher gering ist. Antithrombotische Therapie wird für Patienten mit infektiöser Endokarditis nicht standardmäßig empfohlen. ASS (Aspirin) für andere Indikationen (z.B. KHK) kann weiter eingenommen werden, falls keine Blutungen vorliegen.

  1. Bruno Hoen and X. Duval: Infective Endocarditis. N Engl J Med 2013; 368:1425-1433 
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