Aktuelle Studie in BMJ: Die koronare Herzerkrankung zählt zu den häufigsten Todesursachen weltweit. Durch arteriosklerotische Ablagerungen kommt es zu Engstellen oder Verschlüssen der Herzkranzgefäße. Das Herz wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Energie versorgt. Die Patienten klagen über Schmerzen und Druck in der Brust. Je nach Schweregrad der Erkrankung kann eine Intervention nötig werden, bei welcher das verkalkte Gefäß gedehnt bzw. wieder eröffnet wir. Hierbei dient ein Stent als Platzhalter, um einen erneuten Gefäßverschluss zu verhindern. Unterschieden werden Baremetalstents, die keine Medikamente freisetzen von Drug Eluting Stents (DES). Bei diesen Stents wird mittels Zytostatikum-Beschichtung das überschießende Wachstum der umliegenden Gefäßwandzellen über mehrere Monate gehemmt, um somit einen Stentverschluss zu verhindern. Jedoch ist die Oberfläche dieser Stentart aufgrund ihrer Beschaffenheit initial thrombosefördernd. Daher ist anfänglich nach Einsatz des Stents eine duale Plättchenhemmung mit Acetylsalicylsäure plus Clopidogrel oder Prasugrel oder Ticagrelor unerlässlich. In dieser Studie wurden mittels individueller Metaanalyse der Teilnehmerdaten der klinische Outcome der dualen Plättchenhemmung nach Implantation eines Drug Eluting Stents bei Patienten mit und ohne Diabetes nach sechs (Kurzzeitgabe) und zwölf Monaten (Langzeitgabe) verglichen.

Zur Einschätzung welchen Einfluss die Diabeteserkrankung der Patienten auf die Outcomes hat, wurde eine stratifizierte Cox-Regressionsanalyse angewandt. Als Datenquellen dienten randomisierte kontrollierte Studien aus Medline, Embase und Cochrane sowie Ergebnisse internationaler Konferenzen.

Analysiert wurde die Dauer der dualen Plättchenhemmung nach Einsatz eines DES. Die individuellen Patientendaten wurden aus sechs Studien über duale Plättchenhemmung gesammelt.

Das primäre Outcome war das Risiko schwerwiegende kardiale Komplikationen (MACE: major adverse cardiac events) innerhalb eines Jahres. Diese Nebenwirkungen wurden definiert als Herztod, Myokardinfarkt oder gesichertes Vorliegen bzw. der Verdacht auf eine Stentthrombose. Alle Analysen folgten dem Intention to treat Model. Sechs Studien mit 11473 randomisierten Patienten wurden analysiert. Von diesen Patienten hatten 3681 (32,1%) Diabetes. 7708 (67,2%) waren nicht an Diabetes erkrankt. Bei 84 Probanden (0,7%) lagen keine Informationen diesbezüglich vor.

Die Erkrankung an Diabetes war ein unabhängiger Vorhersagewert für MACE. Im Follow-Up nach einem Jahr wurden die Ergebnisse der Langzeitgabe der dualen Plättchenhemmung mit den Ergebnissen der Kurzzeitgabe verglichen. Es zeigte sich keine Assoziation mit einem geringeren Risiko für schwere kardiale Komplikationen bei Langzeit-Dualtherapie.

Das Risiko eines Myokardinfarktes unterschied sich nicht bei kurzzeitiger oder langzeitiger Gabe der dualen Plättchenhemmung.

In der Gruppe der Diabetespatienten gab es, verglichen mit den nicht betroffenen Probanden, ein geringeres Risiko für eine gesicherte bzw. den Verdacht auf eine Stentthrombose bei Medikamentengabe über 12 Monate.

Insgesamt zeigte sich in der Landmarkanalyse bei beiden Gruppen ein Vorteil der dualen Plättcheninhibition.

Im Rahmen der Langzeitgabe konnte eine größere Anzahl an leichten bis schwerwiegenden Blutungen, unabhängig von der Diabeteserkrankung festgestellt werden.

Fazit: Obwohl die Erkrankung an Diabetes zunehmend einen unabhängigen Prädiktor für kardiale Komplikationen nach Implantation eines medikamentenfreisetzenden Stents darstellt, konnten durch die Langzeitgabe einer dualen Plättchenhemmung über zwölf Monate verglichen mit der Kurzzeitgabe über sechs Monate die kardialen Komplikationen (wie Herzinfarkt) nicht reduziert werden.

Es wurde ein erhöhtes Risiko für Blutungen bei Patienten mit Stents unabhängig von der Diabeteserkrankung festgestellt. Die Blutungen traten in der Langzeit-Dualtherapie häufiger auf.

Medknowledge-Anmerkung: Man kann die Ergebnisse der Studie wie gefolgt zusammenfassen. Langzeit-Dualtherapie erhöhte im Vergleich zur Kurzzeit-Dualtherapie das Blutungsrisiko, ohne die Anzahl der Komplikationen wie Herzinfarkt zu reduzieren, und das unabhängig davon, ob der Patient Diabetes hat oder nicht.

Anders gesagt, Diabetes sollte keine Rolle bei der Entscheidung über die Zeitdauer der dualen Plättchenhemmung nach der Anlage eines Drug-Elutung-Stents spielen.

1-Gargiulo et al. Short term versus long term dual antiplatelet therapy after implantation of drug eluting stent in patients with or without diabetes: Systematic review and meta-analysis of individual participant data from randomised trials. BMJ 2016;355:i5483

2-Siehe auch :Thrombozytenhemmung +/- OAK nach Koronarintervention (PCI), 2016  

3-ACC/AHA-Leitlinien-Update: Duale antithrombotische Therapie bei KHK-Patienten, 2016 

 

FaceBook  Twitter  

Zusätzliche Informationen