frei#  Patienten mit Risikofaktoren für gastrointestinale Störungen sollten bei Langzeitbehandlung mit Nicht-steroidalen Antiphlogistika (NSAID) zusätzlich medikamentöse Magenprotektoren wie Protonenpumpeninhibitoren (PPI) einnehmen.

Allerdings ist unklar, wie viele Ärzte die Medikation kontinuierlich verschreiben und ob ein Verschreibungsstopp gastrointestinale Komplikationen steigert. Hierzu wurde eine retrospektive, longitudinale Beobachtungsstudie anhand einer validierten elektronischen Datenbank repräsentativer Allgemeinärzte in Frankreich durchgeführt. Ausgewertet wurden Daten von 1856 Patienten mit Risikofaktoren für gastrointestinale Störungen (Alter > 65 Jahre, Vorgeschichte mit gastrointestinalem Ulkus oder

Thrombozytenaggregationshemmer) sowie Verordnung von NSAID und PPI von 2007 bis 2009. Anhand von Kaplan-Meier Kurven wurde berechnet, mit welcher Wahrscheinlichkeit den Patienten 12 und 24 Monate nach Erstverschreibung noch ein Magenprotektor verordnet wurde. Mittels multivariater logistischer Regressionsanalyse wurden Abbruch-Faktoren identifiziert und mittels Student’s T-Test die Rate gastrointestinaler Komplikationen bestimmt. Die Wahrscheinlichkeit einer andauernden Verschreibung von PPI zusätzlich zu NSAID lag 1 Jahr nach Studienbeginn bei 77,5% (95% Konfidenzintervall [KI]; 75,6%-79,4%) and 2 Jahre danach bei 68,3% (95%-KI; 66,1%-70,4%).

Risikofaktoren für keine weitere Verschreibung von PPI waren ein Wechsel zu einem Cyclooxygenase-2-selektiven Inhibitor (Hazard Ratio [HR], 2,50; 95%-KI; 1,91-3,28; p < 0,001) oder einem nicht-selektiven NSAID (HR, 1,63; 95%-KI; 1,33-1,99; p < 0,001) sowie weibliches Geschlecht (HR, 1,25; 95%-KI; 1,05-1,45; p < 0,05). Bei 50% dieser Fälle wurden innerhalb von 6 Monaten erneut PPI verschrieben, 70% davon ohne bestimmten Grund. Das Risiko für Schädigung des oberen Verdauungstraktes war höher bei Patienten mit unregelmäßiger PPI-Verordnung (Odds Ratio, 1,45; 95%-KI; 1,06-2,09; p = 0,02).

FAZIT: Bei 33 % der Langzeittherapien mit NSAID wird die Verschreibung eines Protonenpumpeninhibitors (PPI) innerhalb der folgenden 2 Jahre nicht wiederholt. Hierdurch erhöht sich bei diesen Patienten das Risiko gastrointestinaler Nebenwirkungen (unter anderem Gastritis, Magenulkus, Ulkusblutungen).

 

  1. Le Ray I et al. Failure to renew prescriptions for gastroprotective agents to patients on continuous nonsteroidal anti-inflammatory drugs increases rate of upper gastrointestinal injury. Clin Gastroenterol Hepatol 2013 May; 11:499.
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