Frei#  Der klinische Nutzen der präventiven Therapie der unrupturierten arteriovenösen Gefäß-Malformationen im Gehirn durch Interventionen ist noch unklar. Zentrale Gefäß-Malformationen werden immer häufiger durch radiologische Untersuchungen wie CCT oder Kopf-MRT zufällig diagnostiziert. Und für die Patienten beginnt oft eine Odyssee, am deren Ende sie sich aufgrund des Blutungsrisikos oft einer therapeutischen Intervention (wie Katheter-Embolisation, Neurochirurgische Resektion) unterziehen.

Ende 2013 hatten wir eine Studie (1) in Lancet zu diesem Thema rezensiert. Inzwischen ist eine weitere Studie (2) zu gleichem Thema im April 2014 in "JAMA" erschienen, die wir unten am Ende der Lancet-Studie in Kurzform vorstellen.

Lancet-Studie (1): Eine aktuelle internationale Studie verglich bei Patienten mit unrupturierten arteriovenöse Malformationen im Gehirn, die medikamentöse mit der interventionellen Therapie

Insgesamt 223 Patienten aus 39 Zentren waren in die ARUBA-Studie involviert, die entweder für medikamentöse oder interventionelle Therapie (Katheter, Neurochirurgisch, Stereotaktisch) randomisiert wurden. Es wurde das Risiko für Mortalität und hämorrhagischen Schlaganfall in beiden Therapie-Armen gemessen. Der primäre Outcome war der kombinierte Endpunkt aus Tod oder symptomatischem Schlaganfall. Die Studie wurde nach einer mittleren Beobachtungszeit von 33.3 Monaten unterbrochen, da bereits zu diesem Zeitpunkt die Überlegenheit der medikamentösen Therapie deutlich wurde.

Der primäre Endpunkt (Tod, oder Schlaganfall) wurden von 11 (10%) der Patienten in der Medikamentöse-Therapie-Gruppe und 35 (30.7%) in der Interventions-Gruppe erreicht. Das Risiko für Tod oder Schlaganfall war signifikant niedriger in der Medikamentöse-Therapie-Gruppe (HR 0,27).

Fazit: Also halten wir fest, präventive Therapie der unrupturierten arteriovenösen Malformationen mit Interventionen (Katheter, Neurochirurgisch, Stereotaktisch) schadet mehr als nutzt. Die Ergebnisse sprachen sehr eindeutig für medikamentöse-Therapie, sodass die Studie nach 5 Jahren abgebrochen werden müsste.

Medknowledge-Anmerkung: Im Abstract der Studie wurden die Komplikationen durch Interventionen nicht explizit erwähnt, oft sind es Blutungen, Thromboembolien, oder auch weitere intraoperative Komplikationen.

NACHTRAG 04/2014: Auch die Langzeit-Ergebnisse einer aktuellen Beobachtungsstudie in der Fachzeitchrift "JAMA" unterstützt das zunächst konservative Therapie der arteriovenösen Malformationen (2,3) im Gehirn.

 

 

 

    1. J P Mohr et al: Medical management with or without interventional therapy for unruptured brain arteriovenous malformations (ARUBA): a multicentre, non-blinded, randomised trial. The Lancet, Early Online Publication, 20 November 2013doi:10.1016/S0140-6736(13)62302-8
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