|
Nachdem
das Lipidmodulator Niaspan® vom Unternehmen Merck in
England als erstem EU-Land zugelassen wurde, ist
Niaspan jetzt auch in Deutschland zugelassen. Andere
EU-Länder sollen im Rahmen des Europäischen
Verfahrens der gegenseitigen Anerkennung folgen.
|
|
Wirkmechanismus:
Die Wirkung von Nikotinsäure (Niacin) erfolgt unter
anderem durch die Hemmung der Freisetzung der
Fettsäuren aus der Fettgewebe. Nikotinsäure ist ein
seit langem bekannter Wirkstoff bei der Therapie der
Fettstoffwechselstörungen, konnte aber aufgrund des
Nebenwirkungsprofils bisher nicht direkt verwendet
werden. Die Flush-Symptomatik mit Gesichtsrötung,
Kribbeln und Wärmegefühl sowie
Magen-Darm-Beschwerden hatten die Verträglichkeit
beeinträchtigt. Die retardierte Formulierung von
Niaspan® als einmal tägliche Anwendung soll aufgrund
der langsamen Freisetzung nach Informationen vom
Pharmaunternehmen Merck für die Patienten
verträglicher sein.
|
|
Niaspan®
ist das erste Nikotinsäure-Produkt, das in den USA
für die einmal tägliche Anwendung zugelassen wurde.
In den USA hat ebenfalls Advicor® (Nikotinsäure plus
Lovastatin mit zeitlich verzögerter Freisetzung) als
erstes Kombinationspräparat zur Therapie der
Fettstoffwechselstörungen eine Zulassung erhalten.
Lovastatin (Mevinacor®) ist ein Lipidsenker aus der
Gruppe der Statine.
|
|
Indikation:
Niaspan® ist zur Behandlung von
Fettstoffwechselstörungen, insbesondere bei Patienten
mit kombinierter Dyslipidämie, die durch erhöhtes
LDL-Cholesterin und erhöhte Triglyzeride sowie
niedrige HDL-Cholesterin-Werte gekennzeichnet ist, und
bei Patienten mit primärer Hypercholesterinämie
zugelassen. Niaspan® ist bei Patienten zur Regulation
des Fettstoffwechsels in Kombination mit Statinen
anzuwenden, wenn die alleinige Statin-Therapie nicht
ausreicht. Niaspan® kann auch als Monotherapie
(alleinige Therapie) bei Patienten eingesetzt werden,
die Statine nicht vertragen.
|
|
Dosis:
Die Einnahme von Niaspan soll vor dem Zubettgehen nach
einem fettarmen Imbiss erfolgen. Die Dosis wird nach
Ansprechbarkeit des Patienten individuell festgelegt.
Die Anfangsdosis beträgt in der Regel 375mg. Die
Erhaltungsdosis beträgt zwischen 1000mg und 2000mg
pro Tag.
|
|
Wirkung:
Niaspan® ist eine retardierte Nikotinsäure und
verringert die LDL-Werte (das "böse"
Cholesterin ) und die Triglyzeride (Nahrungsfette) und
erhöht die HDL-Werte (das "gute"
Cholesterin).
|
|
In
einer Studie in Archiv of Internal Medicine (1) senkte
die Kombinationstherapie Niaspan® plus Lovastatin (Mevinacor)
den LDL-Cholesterin stärker als die alleinige
Lovastatin-Therapie (35%-46% vs. 22%-24%). Bei der
maximalen Dosis (2000mg Niaspan plus 40 mg Lovastatin
pro Tag) stieg HDL-Cholesterin um 29% und die
Trigylzeride sanken um 38%.
|
|
Das
Langzeit-Nutzen auf die klinischen Ereignisse muss
noch durch weitere Studien belegt werden.
|
|
Nebenwirkungen:
Flush war in klinischen Studien mit Niaspan die
häufigste Nebenwirkung (88 %), weniger als 6 % der
Niaspan-Patienten brachen die Therapie wegen der
Flush-Symptomatik ab. Laut Hersteller soll sich
gewöhnlich im Verlauf von einigen Wochen eine
Toleranz gegenüber den Flush-Reaktionen entwickeln.
Magen-Darm-Beschwerden
wie Diarrhoe (Durchfälle), Übelkeit, Bauchschmerzen
sind weitere häufige Nebenwirkungen. Es können
gelegentlich zu Erhöhungen der Leber-Transaminasen
sowie der Harnsäure und zu einer Abnahme der
Thrombozytenzahl kommen (Quelle: Fachinformation).
Für weitergehende Informationen über Nebenwirkungen,
Gegenanzeigen sowie Komplikationen siehe die Fachinformation
von Merck.
|
|
|
|
Literatur:
|
|
1-
Insull
W Jr et al: Efficacy of extended-release niacin
with lovastatin for hypercholesterolemia:
assessing all reasonable doses with innovative
surface graph analysis.
|
|
Datum: 23.06.04. Wir
hatten bereits in unserer Rubrik "Neue
Medikamente in der Pipeline" am 02.07.03 über
Niaspan berichtet.
|
|
Nachtrag |
|
AIM-HIGH-Studie mit dem Lipidmodulator Niaspan® wegen Unwirksamkeit
gestoppt - Erhöhte Triglyzerid- und Niedrige HDL-Werte, Was Tun? 2011.
Mehr... |