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Neue
Medikamente 2006
Sorafenib
(Nexavar®) bei Nierenkrebs
und GIST - Targeted
Therapies
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Einführung:
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Nexavar®-Tabletten enthalten den Wirkstoff Sorafenib, ein
Krebsmedikament. Am 19. Juli 2006 erteilte die Europäische
Kommission dem Unternehmen Bayer HealthCare AG die
Genehmigung für das Inverkehrbringen in der gesamten
Europäischen Union. Da es nur wenige Patienten mit
dieser Krebsart gibt und die Krankheit selten
auftritt, wurde Nexavar am 29. Juli 2004 als
Arzneimittel für seltene Leiden ausgewiesen. Die FDA
(Amerikanische Arzneimittelbehörde Food and Drug
Administration) erteilte die Marktzulassung für
Nexavar® im
Dezember 2005.
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Anwendung (Indikation):
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Sorafenib
(Nexavar®) wird zur
Behandlung von Patienten mit fortgeschrittenem
Nierenzellkarzinom (einer Nierenkrebsart, die die
Zellen der Nierenkanälchen befällt) eingesetzt, wenn
die Krebsbehandlung mit Interferon-alpha bzw.
Interleukin-2 fehlgeschlagen ist oder diese Behandlung
nicht geeignet ist. Das Arzneimittel bedarf einer ärztlichen
Verschreibung. Gegenanzeigen sind Allergien gegenüber
Sorafenib (Nexavar®).
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Eigenschaften
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Der Wirkstoff in Nexavar®, Sorafenib ist
ein Protein-Kinase-Inhibitor (Hemmstoff mehrerer
Enzyme mit Kinase-Aktivität). Es blockiert mehrere
als Proteinkinasen bezeichnete Enzyme. Diese Enzyme
spielen eine entscheidende Rolle bei der Vermehrung
von Zellen. Durch seine Hemmwirkung auf Kinasen
schaltet Sorafenib auf molekularer Ebene die
Signalwirkung von Wachstumsfaktoren aus, die der Tumor
für sein Wachstum benötigt. Auch hemmt Sorafenib
durch seine anti-angiogenetische (die Blutversorgung
des Tumors blockende) Wirkung die Entwicklung neuer
Blutgefäße. Damit verlangsamt es die Wachstumsrate
der Krebszellen, indem es die Blutversorgung
unterbricht, die die Krebszellen zum Wachstum benötigen.
Die Halbwertszeit von Sorafenib im Blut ermöglicht
die einmalige Gabe. Der Abbau des Wirkstoffes erfolgt
vorwiegend in der Leber.
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Dosierung:
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Eine
Filmtablette Nexavar® enthält 200mg Sorafenib. Die
Behandlung mit Nexavar® sollte unter Aufsicht eines
in der Anwendung von Krebsbehandlungen erfahrenen
Arztes erfolgen. Die empfohlene Nexavar-Dosis bei
Erwachsenen ist 400 mg (2 Tabletten à 200 mg) 2-mal täglich
(entsprechend einer Tagesgesamtdosis von 800 mg). Die
Tabletten sollten mit einem Glas Wasser geschluckt
werden. Die
Behandlung wird fortgesetzt, solange der Patient von
der Therapie profitiert, und solang die Nebenwirkungen
vertretbar sind.
Nexavar®-Einnahme und Mahlzeiten
Es
wird empfohlen, Nexavar® unabhängig von einer
Mahlzeit oder zusammen mit einer leicht oder mäßig
fettreichen Mahlzeit einzunehmen. Falls der Patient
beabsichtigt, eine fettreiche Mahlzeit zu sich zu
nehmen, sind die Nexavar®-Tabletten mindestens 1
Stunde vor oder 2 Stunden nach der Mahlzeit
einzunehmen.
Wechselwirkungen
Vorsicht
ist geboten, wenn Nexavar® gleichzeitig mit
Irinotecan oder Docetaxel angewendet wird. Verringerte
Plasmakonzentrationen von Sorafenib können bei
gleichzeitiger Anwendung von Arzneimitteln gegen
Magenübersäuerung nicht ausgeschlossen werden.
Rifampicin, Hypericum perforatum (auch bekannt als
Johanniskraut), Phenytoin, Carbamazepin, Phenobarbital
oder Dexamethason können ebenfalls den Metabolismus
von Sorafenib verstärken und dadurch die
Sorafenib-Konzentrationen senken. Bei Patienten, die
Warfarin oder Phenprocoumon einnehmen, sollten die
INR-Werte regelmäßig überprüft werden. Es kann
nicht ausgeschlossen werden, dass Nexavar® die
Blut-Konzentrationen von gleichzeitig angewendeten
Medikamenten wie Bupropion, Cyclophosphamid, Efavirenz,
Ifosfamid, Methadon, Paclitaxel, oder Repaglinid
erhöht.
Schwangerschaft
und Stillzeit
Nexavar® darf in der
Schwangerschaft nicht angewendet werden, außer es ist
unbedingt notwendig. Bei Frauen, die schwanger werden
können, wird empfohlen, während der Behandlung mit
Nexavar® für eine wirksame Empfängnisverhütung zu
sorgen. Stillen Sie nicht während der Behandlung mit
Nexavar®.
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Nebenwirkungen:
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Die wichtigsten schwerwiegenden
Nebenwirkungen waren Lymphozytopenie (Mangel an
Lymphozyten, einer Form der weißen Blutkörperchen )
bei 13% der Nexavar®-behandelten
Patienten und 7% der Placebo-Patienten,
Neutrozytopenie (Mangel an Neutrophilen, einer Form
der weißen Blutkörperchen) bei 5% der Nexavar®-behandelten
Patienten und 2% der Placebo-Patienten, Anämie
(Mangel an roten Blutkörperchen) bei 2% der Nexavar®-behandelten
Patienten und 4% der Placebo-Patienten,
Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) bei
1% der Nexavar®-behandelten Patienten und 0% der Placebo-Patienten. Anstiege in
Serumlipase und -amylase sowie symptomatische
Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) wurden
beobachtet. Auch wurde Hypophosphatämie (Mangel an
Phosphaten im Blut) gefunden.
Die in den klinischen Studien am häufigsten
auftretenden Nebenwirkungen (beobachtet bei mehr als
10% der Patienten) waren Magen-Darm-Nebenwirkungen wie
Durchfall, Übelkeit/Erbrechen, Hautreaktionen wie
Hautausschlag, Juckreiz (Pruritus), Hautrötung
(Erythem), Haarausfall (Alopecia), Hand-Fuß-Syndrom
(Hautausschlag und Schmerzen an Handflächen und Fußsohlen),
Müdigkeit und Erschöpfung, Bluthochdruck
(Hypertonie), Blutungen (Hämorrhagie) und Schmerzen.
Das
Auftreten unerwünschter Arzneimittelwirkungen kann
eine vorübergehende Unterbrechung der Behandlung mit
Nexavar®-oder eine Dosisreduktion notwendig machen.
Ist eine Dosisreduktion erforderlich, sollte die
Nexavar®-Dosis
auf 2 Tabletten à 200 mg 1-mal täglich reduziert
werden. Bei Hautreaktionen ist eine Lokalbehandlung
empfehlenswert.
Warnhinweise
Bei Patienten, bei denen Durchblutungsstörungen des Herzens
und/oder Herzinfarkte auftreten, ist eine vorübergehende
oder dauerhafte Unterbrechung der Nexavar®-Behandlung
in Betracht zu ziehen. Wegen möglichen Auftretens von
Bluthochdruck sollten laufend Blutdruckmessungen
erfolgen. Über Blutungen unter Nexavar® wurde
berichtet, daher sollte darüber informiert werden und
auf Symptome geachtet werden (Inspektion der Haut auf
Einblutungen und ggf. Gerinnungsstatus erheben). Wegen
möglicher Wundheilungsstörungen wird jedoch
empfohlen, die Nexavar®-Behandlung vor größeren
chirurgischen Eingriffen vorübergehend zu
unterbrechen. Es liegen nur eingeschränkte klinische
Erfahrungen hinsichtlich des Zeitpunktes einer
Wiederaufnahme der Behandlung nach größeren
chirurgischen Eingriffen vor. Daher sollte die
Entscheidung über die Wiederaufnahme der Nexavar®-Behandlung
nach einem größeren chirurgischen Eingriff auf der
klinischen Beurteilung der adäquaten Wundheilung
beruhen.
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Wirkung:
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Das Nierenzellkarzinom gilt als besonders resistent gegenüber
einer Chemotherapie. Weniger als 20 Prozent der
Patienten mit einem fortgeschrittenen
Nierenzellkarzinom leben länger als zwei Jahre. Der
Grund ist die schlechte Wirkung der Chemotherapie. Die
Wirksamkeit von Nexavar® bei fortgeschrittenem
Nierenzellkarzinom wurde in klinischen Studien an
nahezu 1000 Patienten untersucht, deren
fortgeschrittene Krankheit auf eine vorausgegangene
Krebsbehandlung nicht angeschlagen hatte. In einer
Doppelblindstudie (d. h. weder Arzt noch Patienten
wussten, welche Behandlung der Patient erhielt) wurde
der Wirkstoff mit einem Placebo (Scheinbehandlung)
verglichen. Im Rahmen der Studie wurde die Gesamtüberlebensquote
sowie die Überlebensdauer ermittelt, in der die
Krankheit der Patienten nicht weiter voranschritt.
Unter Nexavar® schritt die Krankheit langsamer voran
(167 Tage gegenüber 84 Tagen bei den
Placebo-Patienten). Die Daten zum Gesamtüberleben
zeigten, dass Patienten mit Nexavar® 19,3 Monate überlebten
und Patienten unter Placebo 15,9 Monate (diese Zahlen
beruhen auf den Daten von 903 Patienten, davon
wechselten 200 Patienten im Laufe der Studie von
Placebo zu Nexavar).
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Fazit:
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Sorafenib
(Nexavar®) bewirkt eine
deutliche Verbesserung des Krankheitsverlaufes bei
Patienten mit fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom.
Dies bedeutet in Relation zu möglichen Nebenwirkungen
eine Verbesserung der Therapie.
Gemessen an der Schwere der
Erkrankung wird das Krebsmittel Sorafenib (Nexavar®)
bei Beachtung der Warnhinweise als gut verträglich
eingeschätzt. Das Nebenwirkungspotential ist
vertretbar.
Der Überlebensvorteil war zwar
statistisch nicht signifikant wird jedoch als
positiver und klinisch bedeutsamer Effekt gewertet.
Die Verbesserungen des Krankheitsverlaufes durch Sorafenib
(Nexavar®) bei der Behandlung von
fortgeschrittenem Nierenzellkarzinom überwiegen die
Risiken für die Patienten.
Das Nebenwirkungspotential
beinhaltet unter anderem Hauterscheinungen,
Durchblutungsstörungen am Herzen und Nebenwirkungen
am Pankreas (Bauchspeicheldrüse). Hierzu werden
weitere Sicherheitsinformationen im Rahmen eines
speziellen Risiko-Management-Plan durch den
pharmazeutischen Unternehmer untersucht. Dieses Paket
von umfassenden Sicherheitsmaßnahmen erfordert die
Mitarbeit von behandelnden Ärzten und Patienten.
Wichtige Informationen gibt bereits die
Fachinformation zu Sorafenib (Nexavar®), um
diese Nebenwirkungen zu minimieren. Diese wird ergänzt
werden durch weitere Informationen, die laufend
hinzugewonnen werden.
Noch ist Sorafenib nicht als
Erstlinienbehandlung des fortgeschrittenen
Nierenzellkarzinoms empfohlen. Dies wird in weiteren
Studien geprüft.
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Literatur:
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EMEA
zu Sorafenib (Nexavar®)
-
FDA
Approves New Treatment for Advanced Kidney Cancer
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Datum: 02.05.2007
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Nachtrag
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Lungenkrebs:
Erhöhte Sterblichkeit unter Nexavar®, 18. Februar
2008
"Der
Tyrosinkinase-Inhibitor Sorafenib (Nexavar®) hat in
einer Phase-III-Studie an Patienten mit nicht
kleinzelligem Lungenkarzinom (NSCLC) überraschend die
Mortalität erhöht. Die Studie wurde deshalb nach
einer geplanten Zwischenauswertung abgebrochen, wie
aus einer Pressemitteilung des Herstellers Bayer
hervorgeht. Andere Studien zum Einsatz beim NSCLC
sollen fortgesetzt werden..." Bayer
and Onyx Provide Update on Phase 3 Trial of Nexavar in
Patients With Non-Small Cell Lung Cancer
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Sorafenib
(Nexavar®) bei Nierenkrebs, Leberkrebs und Melanom:
SHARP-Studie
(Sorafenib HCC Assessment Randomized Protocol): Mit
einem Enzymhemmer gibt es neue Perspektiven für
Patienten mit einem hepatozellulären Karzinom,
24.04.2007
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Schlüsselwörter: Medikament,
Arzneimittel, Therapie, Chemotherapie, Behandlung, Nierenkrebs,
SU11248, BAY 43-9006, Nexavar,
Sorafenib und targeted therapies.
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