Patienten,
die regelmäßig Opioide einnehmen, um Tumorschmerzen
aber auch andere chronische Schmerzen wie schwere
Rückenschmerzen oder Osteoarthritis zu bekämpfen,
leiden häufig unter der Opioid-induzierten
Obstipation, einer Darmverstopfung. Denn die Opioide
bekämpfen nicht nur Schmerzen, sondern sie hemmen
auch die Darmaktivität.
GlaxoSmithKline
und Adolor entwickeln zurzeit einen Wirkstoff, der
diese Darmverstopfung erstmals kausal therapieren
könnte: Alvimopan (Entrareg®) blockiert selektiv die
im Darm zahlreich vorhandenen Opioid-Rezeptoren. Die
medikamentös zugeführten Schmerzmittel können dann
nicht mehr an diese Rezeptoren andocken und somit die
Darmaktivität nicht mehr hemmen. In einer
multizentrischen, randomisierten Studie wurden an 522
Patienten*, die an chronischen Schmerzen und an einer
Opioid-induzierten Darmverstopfung litten, folgende
drei Therapieregime doppelblind und
plazebokontrolliert miteinander verglichen: 0,5 mg
Alvimopan zweimal täglich, 1 mg Alvimopan einmal
täglich und 1 mg zweimal täglich. Alle drei
Therapieregime hatten statistisch signifikante
Wirkungen auf die primären und sekundären
Studienendpunkte im Vergleich zur Plazebogruppe.
Der
primäre Studienendpunkt war die Veränderung der
wöchentlichen Frequenz des Stuhlgangs innerhalb der
ersten drei Wochen des sechswöchigen
Behandlungszeitraums im Vergleich zum Zeitraum vor der
Behandlung. Der Ausgangsparameter für alle drei
Gruppen lag bei etwa einem Stuhlgang pro Woche. Die
durchschnittliche wöchentliche Änderung gegenüber
dem Ausgangsparameter betrug in den ersten drei Wochen
3,36 Stuhlgänge bei der Dosierung 0,5 mg Alvimopan
zweimal täglich, 3,29 Stuhlgänge bei der Gabe von 1
mg Alvimopan einmal täglich und 4,17 bei der Gruppe,
die 1 mg Alvimopan zweimal täglich erhielt. Bei der
Plazebogruppe konnte man eine Steigerung von 1,65
Stuhlgängen feststellen. Alle drei Behandlungsgruppen
unterschieden sich statistisch signifikant von der
Plazebogruppe (p < 0,001). Diese Veränderungen
wurden schon in der ersten Behandlungswoche erkennbar
und während des sechswöchigen Behandlungszeitraums
beibehalten. Nach Absetzen der Medikation fiel die
Anzahl der Stuhlgänge wieder auf das Niveau der
Ausgangssituation zurück. In einer anderen Studie mit
Patienten, die an chronischer idiopathischer
Obstipation litten, zeigte Alvimopan in dieser
Indikation keine Wirkung.
Da
Alvimopan selektiv wirkt, d.h. die Blut-Hirn-Schranke
nicht durchdringen kann und nur im Darm wirkt, können
die Schmerzmittel immer noch ihre volle Wirkung im
Gehirn entfalten. "Mit diesem neuartigen
Wirkstoff können wir Onkologen, Schmerztherapeuten
und niedergelassenen Ärzten etwas in die Hand geben,
das ihnen die Arbeit wesentlich erleichtert. Außerdem
rechnen wir damit, einen wertvollen Beitrag zur
Kostensenkung im Gesundheitswesen zu leisten", so
Professor Torsten Strohmeyer, Leiter Forschung und
Medizin bei GSK. "Und vor allen Dingen: Wir
hoffen, dass sich die Patienten besser fühlen werden,
ohne dass ihre Schmerztherapie beeinträchtigt
wird."
*Es
waren keine Krebspatienten in die Studie
eingeschlossen