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Neue
Medikamente 2007
Sitagliptin
(Januvia®; Inkretin-Mimetikum) bei Diabetes
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Schlüsselwörter: Medikament,
Januvia, Arzneimittel, Therapie, Behandlung, Sitagliptin,
Diabetes, Inkretin-Mimetikum, Inkretine, Glucagon-like
Peptide-1, GLP-1, GIP, Gastric Inhibitory Peptide,
Diabetes Mellitus, Glukose, Zucker, Insulin,
Übergewicht, Adipositas, Blutzuckerspiegel Peptid den
Appetit, Reduktion, Magenentleerungszeit und
Beta-Zell-Masse.
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Die
europäische Arzneimittelbehörde EMEA hat mit Sitagliptin
(Januvia® von MSD) einem Antidiabetikum aus
der Gruppe der DPP-4-
Inhibitoren zur Therapie des Typ-2-Diabetes
mellitus die Zulassung erteilt. Sitagliptin
(Januvia®) ist als Add-On-Therapie
zu Metformin oder einem Glitazon
zugelassen. Die neue Substanz ist seit April 2007 auf
dem Markt.
Inzwischen ist der zweite DPP-4-Hemmer Vildagliptin (Galvus®) seit
2008 zur Diabetestherapie in Deutschland zugelassen.
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Wir
haben diesen Entwicklungsprozess in einzelnen Stadien
dokumentiert, die Sie auf unserer Webseite "Januvia®-in-Progress"
lesen können. Im folgenden wird eine Gesamtübersicht
gegeben.
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Der
Hersteller MSD betont insbesondere die Besserung der
langfristigen Blutzuckerkontrolle ohne
Gewichtszunahme;
zudem soll es unter Sitagliptin
(Januvia®) vergleichsweise seltener zu Hypoglykämien
(Unterzuckerung) kommen (1).
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Hintergrundinfos
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Inkretine:
Darmhormone, die bei Nahrungsaufnahme die Insulinsekretion bedarfsgerecht erhöhen und somit den
Blutzuckeranstieg hemmen. GIP (Gastric Inhibitory
Peptide) und GLP-1 (Glucagon-like-Peptide-1) sind die
beiden Inkretine, die in den 80-Jahren entdeckt worden
sind. Die Wirkung der Inkretine sind glukoseabhängig.
Somit können Inkretine erhöhte Blutzuckerwerte mit
geringem Hypoglykämie-Risiko senken.
Wirkungsansatz
von Sitagliptin (vom MSD): Bei Menschen mit Diabetes werden
weniger Inkretine als bei Gesunden produziert. Bisher
konnten jedoch die Inkretine nicht als Antidiabetika
eingesetzt werden, weil GLP-1 im Körper in wenigen
Minuten durch das Enzym DPP IV (Dipeptidyl Peptidase
IV) gespalten und inaktiviert wird. Hier setzt der
Wirkungsansatz von Sitagliptin. Sitagliptin blockt per
os das Enzym DPP IV und erhöht damit den Spiegel vom
GLP1 und GPI.
Weitere
Substanzen: Exenatide
(Byetta) ist das erste Mittel der neuen
Arzneimittel-Gruppe der Inkretin-Mimetika, das in
Deutschland eingeführt wurde. Exenatide (Byetta®)
wird mit dem Fertigpen entsprechend der
Bedienungsanleitung subkutan injiziert, während
Sitagliptin (Januvia®) per os als Tablette
eingenommen wird.
Mit Vildagliptin
wird derzeit ein weiterer DPP-4-Hemmer bei
Diabetes untersucht.
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Anwendung:
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Sitagliptin
(Januvia®) ist bei Patienten mit
Typ-2-Diabetes mellitus zur Verbesserung der
Blutzuckerkontrolle in Kombination mit Metformin
indiziert, wenn Diät und Bewegung plus Metformin den
Blutzucker nicht ausreichend senken.
Bei
Patienten mit Typ-2-Diabetes mellitus, für die eine
Anwendung eines PPAR-Agonisten [d. h. Glitazone
wie z.B. Pioglitazon
(Actos®)]
geeignet ist, ist Januvia in Kombination mit einem
PPAR-Agonisten indiziert, wenn Diät und Bewegung plus
Monotherapie mit einem PPAR-Agonisten den Blutzucker
nicht ausreichend senken (Fachinformation)
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Dosierung
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Die
Dosis von Sitagliptin (Januvia®) beträgt 100 mg
einmal täglich. Die Dosierung von Metformin oder des
PPAR-Agonisten sollte beibehalten und Sitagliptin
gleichzeitig gegeben werden (Fachinformation).
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Nebenwirkungen
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Die
häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit und Erbrechen.
Unter der Kombination mit dem Glitazon Pioglitazon
(Actos®) kam
es häufig zu peripheren Ödemen (Wasseransammlung an
den Extremitäten).
Patienten
mit mäßiger bis schwerer Niereninsuffizienz sollten
aufgrund begrenzter Erfahrungen nicht mit Januvia
behandelt werden (Fachinformation)
.
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Wirkung
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In
einer doppel-blinden Studie (1) wurden insgesamt 1172
Typ-2-Diabetiker zusätzlich zu Metformin (1500 mg
oder mehr) entweder für Sitagliptin (100 mg/d) oder für
Glipizid (5 mg/d bis 20 mg/d) randomisiert. Glipizid
ist ein Sulfonylharnstoff, das in Deutschland nicht
erhältlich ist. In der Sitagliptin-Gruppe erreichten
63% der Patienten und in der Glipizid-Gruppe 59% der
Patienten innerhalb eines Jahres HbA1c-Werte unter 7%.
Somit war die langfristige Blutzuckerkontrolle unter
Sitagliptin und dem Sulfonylharnstoff Glipizid ähnlich
gut.
Die
Zahl der Patienten, die Hypoglykämie-Episoden
erfuhren, war
dagegen in der Glipizid-Gruppe
signifikant
höher (32%) als in der Sitagliptin-Gruppe
(5%). Auch bezüglich des Gewichtsverlaufes gab es
Unterschiede: Sitagliptin führte zu einer
Gewichtsabnahme um ca. 1,5kg. Unter dem Sulfonylharnstoff
Glipizid dagegen nahmen die Patienten durchschnittlich
um 1,1kg zu.
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Zwei
weitere Studien in Diabetes Care 2006 zeigten
ebenfalls die Wirksamkeit von dem neuen DPP-4-Hemmer Sitagliptin
bei
Diabetes. In der ersten Studie (2) wurde Sitagliptin
bei Diabetes-Typ-II-Patienten als Monotherapie und in
der zweiten Studie (3) als Add-On-Therapie zu
Metformin gegeben.
Sitagliptin
wurde insgesamt gut vertragen.
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Fazit
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Die
neue Substanz Sitagliptin
(Januvia®) erweitert
die Therapieoptionen bei Diabetes Mellitus Typ-2.
Bisherige Studien zeigen, dass Sitagliptin
(Januvia®) die langzeitige Blutzuckerkontrolle,
gemessen an HbA1c-Werten,
ähnlich gut wie Sulfonylharnstoffe verbessert. Im
Vergleich zu Sulfonylharnstoffen soll es nicht zu
einer Gewichtszunahme
kommen. Zudem
soll Sitagliptin
(Januvia®) vergleichsweise seltener Hypoglykämien
(Unterzuckerung) verursachen (1,2,3).
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Unter
der Kombination Sitagliptin
(Januvia®) plus
dem Glitazon Pioglitazon (Actos®) kam es häufig zu
peripheren Ödemen (4,0%). Inzwischen gibt es
Hinweise, dass Glitazone kardiotoxisch (Zunahme der
Herzinfarkte) wirken können (4). Ob die Zunahme der
Ödeme (Wasseransammlung an den Extremitäten) unter
der Kombinationstherapie als ein Zeichen der
Steigerung der Kardiotoxizität vom Pioglitazon (Actos®)
bewertet werden kann, müssen die Langzeit-Daten
zeigen, die noch fehlen.
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Literatur:
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Nauck,
M. et al: Efficacy and safety of the dipeptidyl
peptidase-4 inhibitor, sitagliptin, compared with
the sulfonylurea, glipizide, in patients with type
2 diabetes inadequately controlled on metformin
alone: a randomized, double-blind, non-inferiority
trial. Diabetes Obes Metab. 2007 Mar;9(2):194-205.
-
Aschner
P et al. Effect of the dipeptidyl peptidase-4
inhibitor sitagliptin as monotherapy on glycemic
control in patients with type 2 diabetes. Diabetes
Care 2006 Dec; 29:2632-7.
-
Charbonnel
B et al. Efficacy and safety of the dipeptidyl
peptidase-4 inhibitor sitagliptin added to ongoing
metformin therapy in patients with type 2 diabetes
inadequately controlled with metformin alone.
Diabetes Care 2006 Dec; 29:2638-43.
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FDA-Warnung:
Herzinfarkte durch das Antidiabetikum Rosiglitazon
(Avandia®)?, 22. Mai 2007
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Datum: 21.06.07
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Nachtrag
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Inkretinmimetika: Pankreatitis und Pankreaskrebs als mögliche
Nebenwirkung? 2011.
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Exenatid (Byetta®)
einmal wöchentlich vs. Sitagliptin (Januvia®) oder Pioglitazon (Actos®)
als zusätzliches Medikament neben Metformin bei Diabetes, 2010.
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Diabetes Typ-II: Liraglutid
(Victoza) vs. Sitagliptin (Januvia) bei schlechter
glykämischer Kontrolle unter Metformin, 2010. Mehr..
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FDA:
Pankreatitis unter Diabeteswirkstoff Sitagliptin
(Januvia), 28.09.2009
"Seit
der Einführung von oralen Antidiabetika mit dem
Wirkstoff Sitagliptin sind der US-amerikanischen
Arzneibehörde FDA 88 Erkrankungen an einer akuten
Pankreatitis bekannt geworden. Der Hersteller
bezweifelt einen kausalen Zusammenhang..."
--Information
for Healthcare Professionals - Acute pancreatitis and
sitagliptin (marketed as Januvia and Janumet)
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