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Neue
Medikamente 2006
Sertindol
(Serdolect®): Das atypische Neuroleptika bei Schizophrenie
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Schlüsselwörter: Neuroleptikum,
Psychose, Schizophrenie, Sertindol, Serdolect, Das atypische
Neuroleptika, Olanzapin, Zyprexa, Risperidon, Risperdal,
QT-Intervall, Medikament,
Arzneimittel, Therapie, Behandlung,
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Das
Antipsychotikum ist Sertindol
(Serdolect®) acht
Jahre nach Erstzulassung in Deutschland wieder auf dem
Markt.
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1998
hatte EMEA die Zulassung für Sertindol
(Serdolect®) nach kurzer Zeit nach der Markteinführung
wegen potenziell gefährlichen Herzrhythmusstörungen
ruhen lassen.
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Anwendung:
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Sertindol
ist für die Behandlung der Schizophrenie angezeigt.
Aufgrund
kardiovaskulärer Sicherheitsbedenken sollte Sertindol
nur bei Patienten angewendet werden, die zumindest ein
anderes Antipsychotikum nicht vertragen haben.
Sertindol
sollte nicht in Notfallsituationen bei akut gestörten
Patienten zur raschen Symptomreduktion verabreicht
werden (Fachinformation)
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Eigenschaften:
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Es
wird angenommen, dass die Wirkung von Sertindol als
Neuroleptikum auf seine selektive Hemmwirkung auf
Dopamin-, Serotonin- und Adrenerge-Rezeptoren zurückzuführen
ist.
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Hintergrundinformationen
zur Wiedermarkteinführung:
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Die
Daten über spontan gemeldete unerwünschte
Arzneimittelreaktionen in England
(1, 2) deuteten 1998 darauf hin, dass das
relative Risiko eines plötzlichen Herztodes für
Sertindol höher ist als für vergleichbare Substanzen
(Risperidon und Olanzapin).
Sertindol
(Serdolect®) verlängert das QT-Intervall (etwa 20
ms) mehr als andere atypische Neuroleptika.
Verlangerung des QT-Intervalles wird als Risikofaktor
für die Entstehung der lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen
(Torsade de pointes) betrachtet.
Auch wenn über den alleinigen Stellenwert der QT-Verlängerung
als Marker für Rhythmusstörungen derzeit noch
Unklarheit herrscht.
Schon
2002 hatte die Europäische Arzneimittelbehörde (EMEA)
die Zulassung von Sertindol
(Serdolect®) mit Einschränkungen (Einsatz nur in
Rahmen der Studien) erlaubt. Seit Juni 2006 wurden
diese Einschränkungen
von EMEA aufgehoben.
EMEA
stellte fest, dass klinische und nichtklinische Daten
nicht belegen, dass Sertindol
(Serdolect®) ein höheres arrhytmogenes Potential
hat, als andere Antipsychotika (3).
Die
Wiedereinführung ist mit Auflagen verbunden:
Reservestatus, EKG-Beobachtung vor und während der
Therapie; Das Präparat ist bei Patienten mit
bekannten Herz-Kreislauf-Krankheiten kontraindiziert;
Begleitmedikationen, die ebenfalls das QT-Intervall
verlängern, stellen eine Gegenanzeige für
Sertindol-Therapie dar.
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Dosis:
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Alle
Patienten sollten mit einer Tagesdosis von Sertindol 4
mg/Tag beginnen. Die Dosis sollte schrittweise alle 4
– 5 Tage um 4 mg erhöht werden, bis die optimale
Erhaltungsdosis von 12 – 20 mg/Tag erreicht ist.
Aufgrund der alpha-blockierenden Aktivität von
Sertindol können zu Beginn der Titrationsphase
orthostatische Symptome (Blutdruckabfall im Stehen)
auftreten.
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Nebenwirkungen:
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Als
sehr häufige Nebenwirkung (>10%) wird im
Fachinformation Rhinitis
(Nasenschleimhautentzündung)/Nasenkongestion
angebeben. Die
Herzrhythmusstörung
Torsade de Pointes wird im Fachinformation als
gelegentliche Nebenwirkung (0,1-1%) beschrieben. Das
Auftreten von extrapyramidalen Nebenwirkungen bei
Patienten, die mit Sertindol behandelt wurden,
entspricht der Häufigkeit des Auftretens bei
Patienten, die Placebo erhielten (Fachinformation).
Für
weitergehende Informationen über Nebenwirkungen,
Konraindikationen und Gegenanzeigen siehe
Fachinformation von der Pharmafirma Lundbeck.
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Wirkung:
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Die
Sicherheit von Sertindol (Serdolect®) sei inzwischen
bei über 8000 Patienten überprüft. Etwa die
PEM-Studie (4) habe gezeigt, dass die
Gesamtsterblichkeitsrate pro 100 Patientenjahre unter
Sertindol (Serdolect®) mit 2,3% ähnlich wie unter Olanzapin
(Zyprexa®) und
Risperidon (Risperdal) sei. Die Daten darüber sind
bisher nicht vollständig veröffentlicht worden.
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Fazit:
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Die
Diskussionen über die Sicherheit von
Sertindol (Serdolect®) scheint derzeit das
wichtigste Thema bei der Wiedereinführung dieser
Substanz zu sein.
Dabei
wird ein wichtiger Aspekt vergessen: Welche Vorteile
bietet Sertindol (Serdolect®) im Vergleich zu anderen
atypischen Neuroleptika, die bereits länger auf dem
Markt sind. Warum sollte ein behandelnder Arzt
Sertindol (Serdolect®) verschreiben, deren Anordnung
mit Auflagen (Reservestatus, regelmäßige
EKG-Kontrollen, Beachtung der Gegenanzeigen) verbunden
ist?
Daher
sind Vergleichsstudien mit anderen Neuroleptika, bzw.
Veröffentlichung der bereits
durchgeführten, dringend notwendig; Diese
Daten könnten dazu beitragen, Sertindol (Serdolect®)
in der Gruppe der atypischen Neuroleptika besser zu
positionieren und zu beurteilen.
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Literatur
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EMEA:
Sertindol - wissenschaftliche Schlußfolgerungen
der EMEA und Begründung für das Ruhen der
Zulassung
-
Arzneimittelkommission
der deutschen Ärzteschaft: Sertindol
-
EMEA-Informationen
-
Sertindol
erweitert Optionen bei Schizophrenie, 14.06.2006
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Datum: 14.08.2006
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Nachtrag
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