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Neue
Medikamente 2007
Darunavir
(Prezista®): Proteasehemmer bei HIV-AIDS, 2007
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Darunavir
[Prezista® von Janssen-Cilag AG) ist eine
antiretrovirale Substanz und gehört zu der Gruppe der
Proteasehemmer. Der
Indikationsbereich sind Patienten mit HIV, bei denen
mindestens eine Therapie mit anderen Proteasehemmern
nicht gewirkt hat. Darunavir (Prezista®) wird mit
Ritonavir geboostert (verstärkt) und als
Kombitherapie mit mit mindestens zwei weiteren
antiretroviralen Substanzen verwendet.
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Einführung
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Prezista®-Tabletten
enthalten den Wirkstoff Darunavir. Am 10. August 2006
erteilte die Europäische Kommission dem
Unternehmen Janssen-Cilag AG die Genehmigung für das
Inverkehrbringen in der gesamten Europäischen Union.
In den USA ist Prezista® schon seit dem 23.06.2006
zugelassen.
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Anwendung
(Indikation)
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Prezista®
ist indiziert zusammen mit 100 mg Ritonavir zur
Therapie von Infektionen mit dem humanen
Immundefizienzvirus (HIV-1) in Kombination mit anderen
antiretroviralen Arzneimitteln bei mehrfach
vorbehandelten Erwachsenen, bei denen es unter mehr
als einem Behandlungsschema mit einem Proteasehemmer
zu einem Therapieversagen gekommen ist. Bei der
Entscheidung, die Behandlung mit Prezista® zusammen
mit 100 mg Ritonavir aufzunehmen, sollten die
Behandlungsgeschichte des einzelnen Patienten und die
mit den verschiedenen Medikamenten zusammenhängenden
Mutationsmuster besonders berücksichtigt werden. Die
Anwendung von Prezista® sollte sich nach
genotypischen oder phänotypischen
Resistenzbestimmungen (soweit möglich) und der
Behandlungsanamnese richten. Die Behandlung mit
Prezista® sollte von einem Arzt eingeleitet werden,
der in der Behandlung von HIV-Infektionen erfahren
ist. Gegenanzeigen sind
-Allergien
(Überempfindlichkeit) gegen den Wirkstoff in Prezista®
oder einen der sonstigen Bestandteile. Bei Menschen
mit Sulfonamid-Allergie ist Vorsicht geboten, da das
Molekül einen Sulfonamid-Anteil enthält.
-Patienten
mit schwerer Leberfunktionsstörung (Child-Pugh-Klasse
C).
-Rifampicin
darf nicht zusammen mit Prezista® eingenommen werden,
da die gemeinsame Anwendung eine erhebliche Abnahme
der Darunavir-Konzentration bewirken kann, was
wiederum zu einer signifikanten Abnahme der
therapeutischen Wirkung von Prezista® führen kann.
-Pflanzliche
Arzneimittel, die Johanniskraut (Hypericum perforatum)
enthalten, dürfen während der Behandlung mit
Prezista® nicht angewendet werden, da das Risiko
besteht, dass die Plasmakonzentrationen sinken und die
klinische Wirkung von Prezista® abnimmt.
-Die
gleichzeitige Anwendung von Prezista® und 100 mg
Ritonavir zusammen mit aktiven Substanzen, deren Abbau
in hohem Maße von Abbau-Enzymen des Typs CYP3A abhängig
ist, ist kontraindiziert. Zu diesen aktiven Substanzen
zählen z. B. Antiarrhythmika (Amiodaron, Bepridril,
Chinidin, systemisches Lidocain), Antihistaminika (Astemizol,
Terfenadin), bestimmte Migränemittel (z. B.
Ergometrin, Ergotamin, Methylergometrin), Substanzen
zur Steigerung der gastrointestinalen Motilität (Cisaprid),
Neuroleptika (Pimozid, Sertindol), Schlafmittel (Triazolam,
oral angewendetes Midazolam) und Cholesterinsenker (Simvastatin
und Lovastatin)
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Eigenschaften:
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Darunavir,
der Wirkstoff in Prezista® ist eine gegen Retroviren
gerichtete Substanz und gehört zur Gruppe der
Proteasehemmer. Eine weitere Substanz dieser Klasse
ist Ritonavir. Die Wirkungsweise dieser Substanzen
besteht in der Hemmung eines viruseigenen Enzyms, der
HIV-Protease. Dessen hemmung führt zu unreifen Viren,
die keine weiteren Zellen mehr infizieren können.
Proteasehemmer verhindern deshalb bei HIV-infinzierten
Personen neue Infektionszyklen.
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Dosierung:
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Prezista®
ist stets oral zusammen mit 100 mg Ritonavir und in
Kombination mit anderen antiretroviralen Arzneimitteln
anzuwenden. Die empfohlene Dosierung von ist 600 mg
zweimal täglich, jeweils mit Ritonavir 100 mg mit dem
Essen, da gleichzeitige Nahrungsaufnahme die Aufnahme
von Prezista® in den Körper deutlich erhöht.
Dosierung
bei Leberfunktionsstörungen
Leberfunktionsstörungen:
Schwere Leberfunktionsstörungen könnten zu höheren
Bluspiegeln von Darunavir führen und dessen
Sicherheitsprofil verschlechtern. Deswegen sollte
Prezista® bei Patienten mit leichter (Child-Pugh-Klasse
A) oder mäßiger (Child-Pugh-Klasse B)
Leberfunktionsstörung mit Vorsicht angewendet werden.
Für den Fall, dass eine Dosis Prezista® und/oder
Ritonavir vergessen wurde, dieses Versäumnis aber
innerhalb von 6 Stunden nach dem üblichen
Einnahmezeitpunkt bemerkt wurde, sollten die Patienten
angewiesen werden, die vorgeschriebene Dosis von
Prezista® und Ritonavir zusammen mit Essen so bald
wie möglich einzunehmen. Wenn dies später als 6
Stunden nach dem üblichen Einnahmezeitpunkt bemerkt
wird, darf die vergessene Dosis nicht eingenommen
werden und der Patient sollte sein gewohntes
Behandlungsschema wieder aufnehmen.
Wechselwirkungen
Prezista®
und viele anderen AIDS-Medikamente werden in der Leber
über das Enzymsystem Cytochrom P450 abgebaut.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und
Substanzen sind vor allem dann zu erwarten, wenn diese
dasselbe Enzymsystem benutzen. Das Resultat dieser
Wechselwirkungen sind häufig zu hohe oder zu niedrige
Blutspiegel der anderen eingenommenen Substanz. Zu
hohe Blutspiegel führen unter Umständen zu
Nebenwirkungen, zu tiefe Blutspiegel zum Verlust der
Wirksamkeit.
Prezista®
darf nicht zusammen mit Johanniskraut (Hypericum
perforatum, St John’s Wort), Echinacea, Rifampicin,
Rifapentin, Phenobarbital, Phenytoin, Carbamazepin,
Ergotamin-Präparaten, und anderen Proteasinhibitoren
(ausser Atazanavir und Indinavir). Wichtige Ausnahme
im Vergleich zu anderen Proteaseinhibitoren: der
gleichzeitige Einsatz von Pravastatin ist
kontraindiziert; bei einer Hypercholesterinämie soll
die niedrigst mögliche Dosis von Atorvastatin (10mg)
eingesetzt werden.
Schwangerschaft
und Stillzeit
Prezista®
sollte in Kombination mit Ritonavir 100 mg bei
Schwangeren nur dann angewendet werden, wenn der
potenzielle Nutzen das potenzielle Risiko
rechtfertigt. HIV-infizierte Mütter sollen ihre
Kinder keinesfalls stillen, um eine HIV-Übertragung
zu vermeiden. Mütter sollten dazu angehalten werden,
während einer Behandlung mit Prezista® nicht zu
stillen. Es ist nicht bekannt, ob Darunavir in die
Muttermilch übertritt. Zur Anwendung von Darunavir
bei Schwangeren existieren keine geeigneten,
hinreichend kontrollierten Studien. Tierexperimentelle
Studien zeigten keine direkt schädlichen Effekte.
Studien an Ratten haben gezeigt, dass Darunavir in die
Milch übertritt und bei hohen Dosierungen (1000
mg/kg/Tag) zu toxischen Reaktionen führt.
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Nebenwirkungen
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Eine
seltene schwerwiegende Nebenwirkung waren schwere
Hautreaktionen. Die am häufigsten berichteten
Nebenwirkungen waren Übelkeit, Durchfall und
Kopfschmerz.
Für
weitergehende Informationen über Nebenwirkungen,
Konraindikationen und Gegenanzeigen siehe
Fachinformation von Janssen-Cilag.
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Warnhinweise
Lebererkrankungen
Zur
Sicherheit und Wirksamkeit von Prezista® bei
Patienten mit einer zugrunde liegenden schweren
Lebererkrankung liegen keine Daten vor, und deshalb
ist Prezista® bei Patienten mit schwerer
Leberfunktionsstörung kontraindiziert. Prezista®
sollte bei Patienten mit leichter oder mäßiger
Leberfunktionsstörung mit Vorsicht angewendet werden
Patienten mit chronischer Hepatitis B oder C, die mit
einer antiretroviralen Kombinationstherapie behandelt
werden, unterliegen einem erhöhten Risiko für
schwere und potentiell tödliche unerwünschte
hepatische Ereignisse. Bitte beachten Sie bei einer
antiviralen Begleittherapie für eine Hepatitis B oder
C die relevanten Produktinformationen zu diesen
Arzneimitteln. Bei Patienten mit vorbestehender
Leberfunktionsstörung, einschließlich chronischer
Hepatitis, kommt es während einer antiretroviralen
Kombinationstherapie gehäuft zu Veränderungen der
Leberfunktion; diese Patienten sollten daher gemäß
den üblichen Standards überwacht werden. Treten bei
solchen Patienten Anzeichen für eine Verschlechterung
der Lebererkrankung auf, sollte eine Unterbrechung
oder ein Absetzen der Behandlung erwogen werden.
Bluter
Bei
Patienten mit Hämophilie A oder B, die mit
Protease-Hemmern behandelt wurden, wurde eine Zunahme
von Blutungen, einschließlich spontan aufgetretener
Hämatome der Haut und Blutungen in den Gelenken (Hämarthros),
berichtet. Bei einigen Patienten wurde zusätzlich der
Faktor VIII verabreicht. In mehr als der Hälfte der
berichteten Fälle wurde die Behandlung mit
Protease-Hemmern fortgesetzt oder wieder aufgenommen,
falls diese abgebrochen worden war. Ein kausaler
Zusammenhang wird vermutet, der Wirkungsmechanismus
ist jedoch nicht geklärt. Hämophilie-Patienten
sollten daher auf eine mögliche Zunahme von Blutungen
hingewiesen werden.
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Wirkung:
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Prezista®
wurde von der EMEA unter Vorbehalt zugelassen, da zu
dem Zeitpunkt nur Daten aus Phase-II-Studien vorlagen.
Die EMEA erwartet weitere Daten, die die Wirksamkeit
nachweisen und weitere Daten zur Sicherheit. Hierzu
wird der Hersteller wird die Ergebnisse von insgesamt
zehn z.T. noch laufenden Studien vorlegen. In den
Studien Phase-II-Studien POWER 1 (USA) und POWER 2
(Europa) wurden etwa 600 vorbehandelte PatientInnen
randomisiert entweder mit Darunavir+Ritonavir
oder mit einem zugelassenen, ebenfalls
Protease-Hemmer+Ritonavir zusammen mit mindestens zwei
weiteren herkömmlichen AIDS-Medikamenten behandelt.
Trotz einer erheblichen Anzahl von
Resistenz-Mutationen vor Beginn der Behandlung fand
sich in der 600-mg-Gruppe Darunavir+Ritonavir nach 48
Wochen bei der Hälfte der PatientInnen eine deutlich
verminderte Viruslast. Die für die köprereigene
Immunabwehr wichtigen CD4-Zellen stiegen an. In der
Vergleichsgruppe sank die Viruslast
lediglich bei etwa einem Zehntel der
PatientInnen. Auch war der CD4-Zellanstieg deutlich
niedriger. Die Daten aus einer weiteren Studie,
POWER-3 bestätigen das gute virologische Ansprechen.
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Fazit:
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Mit
Darunavir (Prezista®)
steht seit 2007 ein neuer Protease-Hemmer zur Verfügung,
der in seiner chemischen Struktur sich mit mehreren
bereits zugelassenen weiteren Protease-Hemmern
vergleichen lässt. Darunavir
(Prezista®) wird bei Patienten
mit HIV, bei denen mindestens eine Therapie mit
anderen Proteasehemmern nicht gewirkt hat, angewendet.
Darunavir (Prezista®) wird mit Ritonavir verstärkt
und als Kombitherapie mit mit mindestens zwei weiteren
antiretroviralen Substanzen verwendet.
Die
Zulassung weiterer Protease-Hemmer ist erforderlich,
da sich ständig neue resistente Virenstämme
entwickeln. Die Ergebnisse der Phase-II-Studien POWER
I und II zeigten in Patienten mit stark eingeschränkten
Behandlungs-Möglichkeiten beachtliche
Behandlungserfolge. Darunavir (Prezista®) erhält
Patienten mit Mehrfachresistenzen die Chance auf eine
weitere effektive Therapie. Die jetzt in der
Fachzeitschrift Lancet publizierten Ergebnisse bestätigen
die Entscheidung der amerikanischen und europäischen
Arzneibehörden, die das Medikament Darunavir (Prezista®)
aufgrund von Kurzzeitergebnissen unter Vorbehalt
zugelassen hatten. Das Nebenwirkunsgprofil ist
vergleichsweise vorteilhaft: meist leichte
gastrointestinalen Nebenwirkungen, keine übermässigen
Dyslipidämien und Leberwerterhöhungen. Allerdings
beruhen diese Daten auf vergleichweise wenigen
behandelten Patienten. Daher müssen diese Ergebnisse
bei der breiteren Anwendung bei mehr Patienten bestätigt
werden. Auch sind die Erfahrungen bei gleichzeitiger
Anwendung mehrerer anderer Medikamente noch begrenzt.
Daher sollte bei der Anwendung von Darunavir (Prezista®)
besonders auf Wechselwirkungen mit anderen Mitteln
geachtet werden. Weitere Studien laufen derzeit zum
Vergleich mit Lopinavir bei nicht-vorbehandelten
Patienten (TITAN) sowie vorbehandelten PatientInnen
(ARTEMIS).
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Literatur:
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Datum: 04.06.2007
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Nachtrag
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Weiteres
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HIV:
Neuer Protease-Inhibitor erweitert Therapieoptionen
bei Resistenzen, 5. April 2007
---Clotet
B. et al: Efficacy and safety of darunavir-ritonavir
at week 48 in treatment-experienced patients with
HIV-1 infection in POWER 1 and 2: a pooled subgroup
analysis of data from two randomised trials. Lancet
(2007; doi: 10.1016/S0140-6736(07)60497-8
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Darunavir
(Prezista®): seit Februar zugelassen - POWER 1 und 2
Studienergebnisse
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Schlüsselwörter:
Darunavir, Prezista, Proteasehemmer, HIV-AIDS, Medikament,
Arzneimittel, Therapie, Behandlung,
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