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Alle reden von Disease
Management und neuen Reformen des Risikostrukturausgleichs (RSA).
Nur bisher war es nicht transparent, wie die grossen Kassen
die DMP umsetzen wollen oder können. Die AOK hat in einer
umfangreichen Beilage zum Deutschen Ärzteblatt vom
8.März.2002 ihren Plan zur Umsetzung der Disease
Management Programme (DMP) kundgetan. Das neue Konzept
heisst Curaplan. Für Asthma/COPD, Diabetes Mellitus,
koronare Herzkrankheit (KHK) und Brustkrebs werden DMP
angeboten.
Dabei kommt dem Hausarzt eine
Schlüsselrolle zu, der mit dem neuen Begriff "Disease
Manager" beschrieben wird. Bezüglich der privaten
Callcenter steht der Satz "In Deutschland steigt die
Anzahl der Anbieter, die Disease Management auf eine
telefonische Beratung reduzieren möchten". Dementsprechend
verfolgt die AOK eine andere Strategie mit dem Hausarzt in der
zentralen Rolle, um die DMP flächendeckend in Deutschland
anzubieten.
Als Gründe für diese
Position werden betont, dass chronisch Kranke in Deutschland
ohnehin zumeist (etwa 90% der Versicherten) einen
Hausarzt haben und dass sie aufgrund ihrer
chronischen Erkrankungen bereits regelmässig durch diesen
betreut werden. Folglich sind die Hausärzte durch das
Vertrauenverhältnis mit den Patienten am ehesten in der
Lage, chronisch Kranke für DMP zu gewinnen.
Eckpfeile des Curaplans
- Der Hausarzt stellt im
Dialog mit Patienten fest, ob der Patient für das
Disease Management Programm geeignet ist und er legt
auch zusammen mit dem Patienten den Behandlungsplan
fest. Im Rahmen von Curaplan werden dem Arzt
evidenzbasierte Entscheidungshilfen zur Verfügung
gestellt.
- Nach einer
Erstdokumentation sind regelmässige
Folgedokumentationen sind vorgesehen. Der Patient
komment nich zu seinem Arzt, wenn sein Zustand sich
verschlechtert hat, sonder je nach Erkrankungsschwere
wird der Patient regelmässig untersucht.
Erinnerungstermine helfen, diese regelmässigen Termine
einzuhalten. Als Vertrauensperson übernimmt der
DMP-Arzt die Koordinierungsfunktion im Rahmen des
Programms sowohl im ambulanten als auch im stätionären
Bereich.
- Der DMP-Arzt muss als
niedergelassener Arzt im Rahmen der ambulanten
Versorgung tätig sein. Anforderungskriterien an die
Ärzte beinhaltet definierte
Strukturmerkmale (?) und eine nachgewiesene DMP-Schulung.
- Schulung für Ärzte:
Inhalt der Schulung ist die Anwendung der
evidenzbasierten Entscheidungshilfen in der Praxis. Der
zweite wesentliche Punkt betrifft den Programmablauf:
Einschreibemodalitäten, Dokumentation,
Kommunikationswege, Qualitässicherung, sowie die
Vergütung.
- Schulung der Patienten:
Bei den Patientenschulungen sollen vor allem folgende
Punkte vermittelt werden.
- Informationen über die
Krankheit für Patienten und Angehörige
- die Selbstmessung des
krankheitspezifischen Körperzustandes (z.B.
Blutdruck, Blutzucker, Peak-flow, INR etc.) unte
häuslichen Bedingungen
- Patient soll in die Lage
versetzt werden, aus den Selbsmessungen therapeutische
Konsequenzen selbst zu ziehen.
Das Konzept von der AOK als
Hausarzt in der zentralen Rolle ist sehr sinnvoll. Es
ist jedoch abzusehen, dass es bei bestimmten Punkten in
Zukunft zu Schwierigkeiten kommen wird.
Für die Umsetzung der DMP
ist ein internes Remindersystem und ein strukturierter
Wiedereinbestellungsservice sehr wichtig. Zusammen mit der
Dokumentation sind diese Anforderungen nur mit einem gut
funktionierenden Praxis-EDV-System zu bewerkstelligen. In
Hausarztpraxen in Deutschland existieren jedoch zahlreiche,
unterschiedliche Praxis-EDV-Systeme. All diese Strukturen im
Rahmen von Dokumentation und Remindersystem zu
vereinheitlichen und zu standardisieren, damit die Daten
verwertet werden können, stellt eine grosse Herausforderung
an die Umsetzung der DMP.
Die notwendigen
Veränderungen bringen für die Praxen einen hohen personellen und
organisatorischen Aufwand. Praxismitarbeiterrinnen
müssen geschult werden. Die hohe Arbeitsbelastung in den
Arztpraxen ist bekannt. Daher bleibt es zu hoffen,
dass die Vergütung durch DMP den Ärzten ermöglichen wird,
Ihr Personalkapazität den Anforderungen entsprechend
aufzustocken.
Eine besondere
Bedeutung im Zusammenhang mit der Qualitätssicherung kommt
der Evidenz-basierte
Medizin (EBM) zu, die durch Kostenträger angewandt wird, um
im Bereich des Disease
Management
die Wirksamkeit von Behandlungsverfahren zu überprüfen. Jedoch
existieren in Deutschland im Gegensatz zu den
angel-sächsischen Ländern keine allgemein anerkannte
medizinische Leitlinien. Daher ist es unbedingt
erforderlich, die Entwicklung und basisnahe Umsetzung
der EBM-Leitlinien in Deutschland zu forcieren.
Das besprochene Beilage
bringt Klarheit über die Position von der AOK. Es wäre
wünschenswert, wenn andere grosse Gesundheitskassen diesem
Beispiel folgen, und Transparenz über ihre Strategie bei
der Umsetzung der DMP schaffen würden.
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