Digoxin ist ein häufig benutztes Medikament zur Frequenzkontrolle bei Patienten mit Vorhofflimmern, obwohl es wenig randomisierte Studiendaten dazu gibt. Eine aktuelle Studie in „Lancet" untersuchte den Einsatz und die Outcome von Digoxin bei Patienten mit Vorhofflimmern anhand einer retrospektiven Analyse der ROCKET AF Studie (2). Bei dieser Studie wurden Rivaroxaban und Warfarin hinsichtlich der Schlaganfall Prophylaxe miteinander verglichen.

Für die retrospektive Analyse wurden Patienten der ROCKET AF Studie klassifiziert und eingeschlossen. Diese, in 45 Ländern rekrutierten Patienten, erhielten sowohl bei Studienbeginn, als auch im Verlauf der Studie, Digoxin. Aufgrund von Vorhofflimmern und anderen Risikofaktoren hatten diese Patienten ein mäßiges bis hohes Schlaganfallrisiko, mit oder ohne Herzinsuffizienz. Wissenschaftler nutzten Cox Regressionsanalysen angepasst an Baselinecharakteristika und Medikamente, um die Assoziation von Digoxin mit der Gesamtmortalität, vaskulär bedingtem Tod und plötzlichem Herztod zu untersuchen.

14171 Patienten wurden randomisiert. 5239 (37%) nahmen Digoxin bei Studienbeginn ein. Die Patientengruppe, die Digoxin erhielt, war eher weiblich (42% vs. 38%), litt an Herzinsuffizienz (73% vs. 56%), Diabetes (43% vs. 38%) und andauerndem Vorhofflimmern (88% vs. 77%). Nachdem das Medikament in der richtigen Dosierung eingestellt war, zeigte sich bei Digoxingebrauch eine erhöhte Gesamtmortalität, sowie eine höhere Zahl an vaskulär bedingten Todesfällen und plötzlichem Herztod.

Fazit: Die Behandlung mit Digoxin war mit einem signifikanten Anstieg der Gesamtmortalität, gefäßbedingtem Tod, sowie plötzlichem Herztod bei Patienten mit Vorhofflimmern assoziiert.

Diese Assoziation war unabhängig von anderen gemessenen prognostischen Faktoren und obwohl die übrigen Störfaktoren für diese Ergebnisse verantwortlich sein könnten, zeigen die Daten, dass bei Digoxin diese Effekte durchaus auftreten können. Jedoch wird eine weitere randomisierte Studie über Digoxinbehandlung bei Patienten mit Vorhofflimmern, mit oder ohne Herzinsuffizienz, benötigt.

Anmerkung: Früher war Digoxin die Standardmedikation bei Herzinsuffienz. Inzwischen ist Tachyarrythmia Absoluta bei Vorhofflimmern eine der letzten Einsatz-Gebiete von Digoxin. Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass selbst diese Indikation mächtig zum Wanken kommt.

1-Washam et al.: Digoxin use in patients with atrial fibrillation and adverse cardiovascular outcomes: A retrospective analysis of the Rivaroxaban Once Daily Oral Direct Factor Xa Inhibition Compared with Vitamin K Antagonism for Prevention of Stroke and Embolism Trial in Atrial Fibrillation (ROCKET AF). Lancet 2015 Mar 5.

2-ROCKET-AF-Studie: Manesh R. Patel et al: Rivaroxaban versus Warfarin in Nonvalvular Atrial Fibrillation

 

 

 

 

 

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