Nach Schädelhirntrauma kann eine intrakranielle Hypertension (Druckerhöhung im Gehirn durch Ödem infolge der Verletzungen) durch Hypothermie reduziert werden. Jedoch ist das funktionelle Outcome nach einer solchen Behandlung unklar. Eine aktuelle Studie in "NEJM" ging dieser Frage nach (1).

Die Wissenschaftler bezogen Patienten in die Untersuchung ein, welche trotz Behandlungsschema der Stufe 1 (inklusive Beatmung und Sedierung) einen intrakraniellen Druck von mehr als 20 mmHg aufwiesen. Die Patienten wurden zufällig einer Kontrollgruppe mit konventioneller Behandlung oder einer Interventionsgruppe mit Hypothermie-Therapie (32-35°C) zusätzlich zur Standardtherapie. In der Kontrollgruppe wurden zusätzlich auch Maßnahmen der Stufe 2 (wie z.Bsp. Osmotherapie) zusätzlich genutzt und den intrakraniellen Druck zu kontrollieren. In der Hypothermiegruppe wurden diese Maßnahmen nur genutzt, falls die Therapie nicht ausreichend war um den Hirndruck zu kontrollieren. In beiden Gruppen wurden Behandlungsmöglichkeiten der Stufe 3 (wie Barbiturate und dekompressive Kraniektomie) genutzt wenn alle Therapieversuche der Stufe 2 fehlgeschlagen waren.

Das primäre Outcome stellte der Punktwert der Extended Glasgow Outcome Scale (GOS-E; Werte von 1-8, niedrigerer Punktwert als Anzeichen für ein schlechteres funktionelles Outcome) nach sechs Monaten dar. Der Behandlungseffekt wurde mittels ordinaler logistischer Regression abgeschätzt. Dieser wurde dafür hisichtlich der zuvor festgelegten prognostischen Faktoren adjustiert und als common odds ratio ausgedrückt. Ein odds ratio von <1,0 stand in diesem Zusammenhang für eine Favorisierung der Hypothermie-Behandlung.

Die Wissenschaftler schlossen 387 Patienten aus 47 Behandlungszentren in 18 Ländern in einem Zeitraum von November 2009 bis Oktober 2014 in die Untersuchung ein. Im Oktober 2014 wurde die Studie aus Sicherheitsgründen abgebrochen.

Eine Therapie gemäß Stufe 3 wurde bei 54% der Patienten der Kontrollgruppe und 44% der Patienten der Hypothermiegruppe angewendet. Das adjustierte common odds ratio des GOS-E Scores betrug 1,53 (p=0,04), was einen Hinweis für ein schlechteres Outcome in der Hypothermiegruppe darstellte. Ein gutes klinisches Outcome (GOS-E Score von 5 bis 8) erreichten 26% der Hypothermiegruppe und 37% der Patienten in der Kontrollgruppe (p=0,03)

Fazit: Bei Patienten mit einem intrakraniellen Druck von über 20 mmHg nach einem Schädelhirntrauma erbrachte die Hypothermie-Behandlung zusätzlich zur Standardtherapie keine Reduktion des intrakraniellen Drucks und keine Verbesserung des klinischen Outcomes der Patienten im Vergleich zur alleinigen konventionellen Therapie.

Medknowledge-Anmerkung: Es ist festzustellen, dass Hypothermie-Behandlung in dieser Patientengruppe im Vergleich zur Standardtherapie den Outcome sogar verschlechtert hat, deswegen musste die Studie vermutlich abgebrochen werden.

Andrews et al. Hypothermia for intracranial hypertension after traumatic brain injury. NEJM, Oct. 7 2015

 

 

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