Das Prostatakarzinom ist der häufigste viszerale Krebs unter Männern. Zudem ist er die zweithäufigste krebsassoziierte Todesursache unter Männern älter als 50 Jahre. Die höchste Inzidenz zeigt sich im Alter zwischen 65 und 75 Jahren. Im Alter von 80 Jahren haben mehr als 50 % aller Männer ein Prostatakarzinom. Meist entwickelt sich das Prostatakarzinom über lange Zeit asymptomatisch. Hinweise auf ein Prostatakarzinom können sich durch die digital-rektale Untersuchung oder durch erhöhte PSA-Werte ergeben. Zur Verifizierung eines Prostatakarzinoms wird standardmäßig eine ultraschallgestützte 10-fach Stanzbiopsie aus der Prostata entnommen. Bei kleinen Prostatadrüsen werden mindestens 6 Proben entnommen. In dieser sogenannten Sextantenbiopsie werden aus jeder Lappenhälfte drei Biopsien entnommen. Neue Ansätze kombinieren den Ultraschall mit einem MRT, um bessere, dreidimensionale Modelle zu erhalten. Dieses Verfahren nennt sich gezielte MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie, ist aber bis jetzt noch kostspielig. Der Vorteil der neuen Methode ist eine genauere Erfassung des lokalen Stagings von Prostatakarzinomen.

Amerikanische Forscher verglichen in der vorliegenden Studie eine gezielte MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie mit einer erweiterten Standard-Sextanten-Biopsie und einer Kombination beider Herangehensweisen, um ihre jeweiligen Vorzüge besser zu verstehen. In die Studie wurden Probanden mit einem intermediär- bis hoch-Risiko-Prostatakarzinom eingeschlossen.

Die Studie war prospektiv aufgebaut und bestand aus einer Kohorte von 1003 Männern. Diese erhielten jeweils gleichzeitig die gezielte und die standardmäßige Biopsie zwischen 2007 und 2014 im nationalen Krebsinstitut der USA. Die Patienten hatten erhöhte PSA-Werte oder abnormale digital-rektale Untersuchungsbefunde. Früher durchgeführte Biopsien waren oftmals negativ gewesen. Die Risikokategorisierung zwischen der gezielten und der standardmäßigen Biopsie wurde verglichen. Falls verfügbar wurde nach einer Prostatektomie eine Pathologie der gesamten Drüse als Gold-Standard miteinbezogen.

Die Patienten erhielten eine multi-parametrische MRT der Prostata um verdächtige Regionen eines Prostatakarzinoms zu identifizieren. Danach folgten eine gezielte MRT-Ultraschall-Biopsie und gleichzeitig eine Standard-Biopsie.

Das primäre Endziel der Studie war der Vergleich zwischen gezielten und standardmäßigen Biopsie-Ansätzen für die Detektion von hoch-Risiko-Prostatakarzinomen (Gleason-Score ? 4 + 3). Das sekundäre Endziel konzentrierte sich auf die Entdeckung von niedrig-Risiko-Prostatakarzinomen (Gleason-Score 3 + 3 oder niedrig-volumig 3 + 4) und die Fähigkeit durch Biopsie eine Pathologie der gesamten Drüse bei Prostatektomie vorherzusagen.

Die gezielte MRT-Ultraschall-Biopsie diagnostizierte 461 Fälle, die Standard-Biopsie 469 Fälle mit Prostatakarzinom. Es gab eine exakte Übereinstimmung zwischen gezielter und standardmäßiger Biopsie bei 690 biopsierten Männern (69 %). Die gezielte Biopsie diagnostizierte 30 % mehr hoch-Risiko-Karzinome als die Standard-Biopsie (173 vs. 122 Fälle) und 17 % weniger niedrig-Risiko-Karzinome (213 vs. 258 Fälle). Wenn die Standard-Biopsie mit der gezielten Vorgehensweise kombiniert wurde, wurden zusätzlich 103 Fälle (22 %) von zumeist niedrig-Risiko-Prostatakarzinomen diagnostiziert (83 % niedrig-, 12 % intermediär- und 5 % hoch-Risiko). Der prädikative Wert der gezielten Biopsie, um zwischen einer niedrig-, intermediär- und hoch-Risiko-Krankheit zu unterscheiden, war bei 170 Männern mit einer Pathologie der gesamten Drüse größer als bei der Standard-Biopsie oder der Kombination beider Vorgehensweisen (Fläche unter der Kurve: 0,73; 0,59 und 0,67).

Fazit: Unter Männern die eine Biopsie für Prostatakarzinom erhielten, war eine MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie im Vergleich zur erweiterten Standard-Sextanten-Biopsie mit Ultraschall mit einer erhöhten Entdeckung von hoch-Risiko-Prostatakarzinomen um 30% und einer verringerten Entdeckung von niedrig-Risiko-Prostatakarzinomen assoziiert.

Laut den Forschern werden weitere Studien nötig sein, um die klinische Bedeutung einer gezielten Biopsie letztlich zu bewerten.

Quellen:

1- Siddiqui MM et al. Comparison of MR/ultrasound fusion–guided biopsy with ultrasound-guided biopsy for the diagnosis of prostate cancer. JAMA. 2015 Jan 27;313(4):390-7

2-Siehe: Gezielte MRT-Ultraschall-Fusionsbiopsie bei Prostatakrebs-Diagnostik - MRT-navigierte stereotaktische Prostatabiopsie: Echtzeitfusion von MRT und transrektalem Ultraschall zu perinealen Prostatastanzbiopsien

 

 

 

 

 

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