Frei#  Leberzirrhose ist eine der häufigsten Todesursachen weltweit. Betablocker sind dabei eine wichtige Säule der medikamentösen Zirrhose-Therapie zur Prävention der primären und sekundären Varizen-Blutungen. Der Betablocker Propranolol wird in Deutschland dafür vorwiegend eingesetzt. Es gibt jedoch neue Daten, die vor der Anwendung der Betablocker bei Leberzirrhose-Patienten im Endstadium und therapierefräkterem Aszites warnen. Insbesondere niedriger mittlerer <82mmHg Blutdruck sei mit einer erhöhten Mortalität assoziiert. Auch bei Patienten mit Leberzirrhose und Peritonitis soll die Betablocker-Therapie umgehend abgesetzt werden (1,2).

Eine aktuelle Studie (1) in der Fachzeitschrift Journal of Hepatology liefert eine Übersicht über die Vorteile und mögliche Komplikationen der aggressiven Betablocker-Therapie bei Leberzirrhose-Patienten. Die Übersicht ist im Internet als Volltext lesbar.

Der Nutzen der Betablocker zur Prävention von Varizenblutungen sind hinreichend bekannt. Die Übersicht gibt mögliche Auswahl-Kriterien zum Einsatz von Betablocker bei Leberzirrhose-Patienten.

Deshalb stellen wir einige wichtige Punkte über mögliche Komplikationen der Betablocker-Therapie vor:

-Betablocker-Therapie zur Prävention von gastointestinalen-Blutungen bei Patienten mit Leberzirrhose im FRÜHSTADIUM, die keine signifikante portale Hypertonie und Ösophagus-Varizen aufweisen, wird NICHT empfohlen. In dieser frühen Phase hätten Beta-Blocker keinen Einfluss auf die Formation von Varizen, oder auf das Überleben. Betablocker-Therapie im Leberzirrhose-Frühstadium kann jedoch aus anderen Gründen, wie KHK oder Herzinsuffienz, indiziert sein.

-Beta-Blocker-Therapie sind bei kreislaufstabilen Leberzirrhose-Patienten mit signifikanter portaler Hypertonie, mittelgrossen bis grossen Ösophagus-Varizen und Aszites indiziert. Bei Hinweisen auf Sepsis, hepatorenalem Sydrom oder Kreislauf-Instabilität sollten Beta-Blocker umgehend abgesetzt werden.

-Beta-Blocker sollten im Endstadium der Leberzirrhose mit reduzierter kardivaskulärer Reserve nicht eingesetzt werden. Damit gemeint ist die zunehmende Kreislaufinstabilität mit Tachykardie/Hypotonie und reduzierter Durchblutung der Endorgane aufgrund der zirrhotischen Kardiomyopathie und therapierefräkteräm Aszites. Häufig kommt es zu einem hepatorenalem Syndrom mit Nierenfunktionsverschlechterung.

In der Übersicht wird des Weiteren ein Algorithmus zur Betablocker-Therapie bei Leberzirrhose-Patienten gezeigt (Figure 2 am Ende der Übersicht).

Nachtrag Betablocker bei Patienten mit Leberzirrhose und Peritonitis: Eine weitere aktuelle Studie (2) in der Fachzeitschrift Gastroenterology zeigt, dass Betablocker bei Patienten mit fortgeschrittener Leberzirrhose und Aszites das Überleben sogar verschlechtern kann, wenn sich eine spontane bakterielle Peritonitis entwickelt. Bei diesen Patienten kam es unter Betablocker aufgrund der niedrigen Blutdruck-Werte häufiger zum hepatorenalem Syndrom mit akutem Nierenversagen. Die Autoren raten deswegen bei Patienten mit Leberzirrhose und Peritonitis von einer Betablockertherapie ab.

  1. Ge PS and Runyon BA.The changing role of beta-blocker therapy in patients with cirrhosis. J Hepatol 2014 Mar; 60:643
  2. Mandorfer et al: Non-selective ? Blockers Increase Risk for Hepatorenal Syndrome and Death in Patients with Cirrhosis and Spontaneous Bacterial Peritonitis. Gastroenterology. 2014 Mar 12. pii: S0016-5085(14)00306-0. doi: 10.1053/j.gastro.2014.03.005
FaceBook  Twitter  

Zusätzliche Informationen