Der Zeitpunkt einer Operation von Patienten, die kürzlich einen ischämischen Schlaganfall erlitten haben, ist ein wichtiges Thema, dem leider wenig Beachtung geschenkt wird.

Eine aktuelle Studie (1) evaluierte, wie wichtig die Zeitspanne zwischen Schlaganfall und Operation ist, im Hinblick auf die Sicherheit des Patienten. Hierfür wurde das Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen (Herz-Kreislauf-Komplikationen) während der Operation, sowie die Mortalität des Patienten, näher begutachtet.

Zu diesem Zweck wurde im Zeitraum 2005-2011 in Dänemark eine bundesweite Kohortenstudie gestartet. Eingeschlossen wurden alle Patienten, die 20 Jahre oder älter waren und sich einer elektiven, d.h. nicht notfallmäßigen, nichtkardialen Operation (481,183 Operationen) unterziehen mussten. Hierbei wurde die Zeitspanne zwischen Schlaganfall und Operation untersucht. Diese wurde zum einen in Zeitabschnitte unterteilt und zum anderen kontinuierlich gemessen.

Außerdem wurde das Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse (MACE= major adverse cardiovascular events) innerhalb der ersten 30 Tage nach der Operation analysiert. Zu diesen ungünstigen Ereignissen zählten der ischämische Schlaganfall, akuter Herzinfarkt und die Mortalität aufgrund von Herz-Kreislauf-Versagen. Die Odds Ratio wurde durch multivariate logistische Regressionsanalysen ermittelt.

Die Inzidenz von MACE bei Patienten mit vorangegangenem Schlaganfall (7137 Patienten) betrug 54,4 pro 1000 Patienten, wohingegen die Inzidenz von MACE bei Patienten ohne vorangegangenen Schlaganfall (474,046 Patienten) 4,1 pro 1000 Patienten betrug.

Im Vergleich zu Patienten ohne Schlaganfall, war die Odds Ratio für MACE 14,23 bei Patienten, die weniger als 3 Monate vor der Operation einen Schlaganfall erlitten hatten.

Bei einem Schlaganfall, der sich 3 bis weniger als 6 Monate vor der Operation ereignete, betrug die Odds Ratio 4,85.

Ereignete sich der Schlaganfall 6 bis weniger als 12 Monate, vor der Operation war die Odds Ratio 3,04. Beim Schlaganfall 12 Monate oder länger vor der Operation betrug sie 2,47.

Die MACE Risiken bei Operationen mit geringem und mittlerem Risiko waren im Vergleich zu Hochrisikooperationen gleich hoch. Ähnliche Muster wurden für die Mortalität in den ersten 30 Tagen nach der Operation gefunden. Hier war die Odds Ratio 3,07 bei Schlaganfall weniger als 3 Monate zuvor, 1,97 bei Schlaganfall 3 Monate bis weniger als 6 Monate zuvor, 1,45 bei Schlaganfall 6 bis weniger als 12 Monate zuvor und 1,46 bei Schlaganfall 12 Monate oder länger vor der Operation im Vergleich zu Patienten ohne Schlaganfall.

Subanalysen für die Schlaganfall-Untergruppen unterstützen die Annahme, dass nach 9 Monaten das Risiko gleich blieb und sich nicht mehr veränderte.

Fazit: Abschließend kann man sagen, dass ein Schlaganfall in der Vergangenheit ein schlechtes Outcome nach einer Operation mit sich zog. Vor allem, wenn weniger als 9 Monate zwischen dem Schlaganfall und der Operation lagen. Nach 9 Monaten schien das Risiko stabil zu sein, jedoch immer noch erhöht im Vergleich zu Patienten ohne Schlaganfall. Auf die Zeitabhängigkeit der Komplikationen sollte in zukünftigen Richtlinien ein Augenmerk gelegt werden.

Anmerkung: Die Ärzte sollten nach Möglichkeit mit der Terminierung der elektiven Operationen bei Patienten mit noch frischem Schlaganfall mindestens 9 Monate warten.

1-Jørgensen ME et al. Time elapsed after ischemic stroke and risk of adverse cardiovascular events and mortality following elective noncardiac surgery. JAMA 2014 Jul 16;312(3):269-77. doi: 10.1001/jama.2014.8165

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