Zweidrittel der Menschen, die als Hochrisiko-Gruppe für Psychose identifiziert wurden, entwickeln in den ersten Jahren keine Psychose. Eine aktuelle Studie aus Australien untersuchte den Langzeit-Verlauf in dieser Gruppe (1). 

Teilnehmer waren Menschen, die vor 2 bis 14 Jahren psychiatrische Hilfe gesucht hatten, und damals als Hochrisiko für Psychose identifiziert worden waren (kurze Psychotische Episoden, Verschlechterung des psychosozialen Status). Das mittlere Alter zu Beginn der Beobachtungszeit betrug 25 Jahre.

In der Nachbeobachtungszeit entwickelten 28% der Teilnehmer geringe psychotische Symptome. 68% hatten nicht-psychotische psychische Krankheiten: 49% affektive Störungen, 35% Angststörungen, 29% Suchtkrankheiten. Die Mehrheit der Teilnehmer (90%) hatten bereits zu Beginn Symptome für eine nicht-psychotische Störung, die bei 52% angehalten hat. 

Während der Nachbeobachtungszeit hatten 26% eine Remission ihrer Krankheit, 38% entwickelten jedoch eine andere psychische Krankheit. Nur 7% hatten vom Beginn an keine manifeste psychische Krankheiten, auch  nicht im Verlauf. Frauen hatten häufiger anhaltende oder widerkehrende Krankheiten. 

Fazit: Menschen mit erhöhtem Psychose-Risiko, die im Verlauf keine Psychose entwickeln, haben jedoch ein signifikant grösseres Risiko für andere psychiatrische Krankheiten, wie Depressionen, Angststörungen und Suchtprobleme. Diese Population braucht anscheinend frühe und anhaltende psychotherapeutische Hilfe. 

1-Lin A et al.  Outcomes of nontransitioned cases in a sample at ultra-high risk for psychosis.  Am J Psychiatry  2014  Nov  7

 

 

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