Frei#  Die Mehrzahl erwachsener Psychiatriepatienten, welche unter einer Angststörung oder Depression leiden, hatten bereits vor dem 24. Lebensjahr erste Symptome entwickelt. Derzeit ist nicht klar unter welchen Umständen Patienten auch im Erwachsenenalter psychiatrischer Behandlung dieser Erkrankungen bedürfen.

Für die Studie wurden 1943 minderjährige Versuchspersonen aus Schulen im Raum Victoria, Australien, rekrutiert. In den Jahren 1992 – 2008 wurden die Patienten auf das Vorliegen häufig auftretender psychiatrischer Erkrankungen zu mehreren Zeitpunkten im Jugend- und Erwachsenenalter untersucht (im Mittel zwischen dem 15. und 29. Lebensjahr). Beurteilungsgrundlage bildete das „Revised Clnical Interview Schedule" (CIS-R) (Anmerkung: Eine valide diagnostische Methode, welche mittels strukturierter Interviews das Vorliegen psychiatrischer Erkrankungen ermittelt).

Ab 12 Punkten im Jugendalter sowie 18 Punkten im Erwachsenenalter wurde der Cut-off definiert, d.h. eine positive Diagnose war wahrscheinlich.

29% der männlichen und 54% der weiblichen Teilnehmer wiesen zumindest einmal 12 oder mehr Punkte im Jugendalter auf (vor allem Depressionen und Ängste).

Von den Jugendlichen mit psychischen Störungen wiesen etwa 60% auch im Erwachsenenalter zumindest eine weitere Episode auf.

Bei Jugendlichen mit nur einer Episode von weniger als 6 Monaten Dauer waren ca. 50% im Erwachsenenalter unterhalb des Cut-off. Längere Krankheitsperioden im Jugendalter waren der stärkste Prädiktor für das Fortbestehen von psychiatrischen Störungen im Erwachsenenalter mit einer Odds Ratio (OR) von 3.

Mädchen und Kinder, dessen Eltern sich hatten scheiden lassen, wiesen ebenfalls ein erhöhtes Risiko für das Fortbestehen von psychiatrischen Problemen auf (OR 2 bzw. OR 1.6).

Die Rate von Episoden im Jugendalter stieg zunächst bis 24, und dann sank dann in den späten 20er Lebensjahren (OR 0.6).

Fazit: Episoden psychiatrischer Erkrankungen im Jugendalter gehen Episoden im jungen Erwachsenenalter häufig voraus. Es handelt sich vornehmlich um Ängste und Depressionen.

 

Viele dieser Episoden im Jugendalter sind jedoch selbstlimitiert und bilden sich zurück, insbesondere wenn sie von kurzer Dauer waren (< 6 Monate). Weitere Symptombesserung findet im Alter gegen Ende 20., nachdem die Spitze oft Mitte 20 erreicht wird.

 

Möglicherweise können psychiatrische Interventionen vor allem bei Jugendlichen, die häufige und langanhaltende psychische Störungen hatten, das Wiederauftreten psychiatrischer Erkrankungen im späteren Erwachsenalter nachhaltig vorbeugen können.

 

1-Patton GC et al. The prognosis of common mental disorders in adolescents: A 14-year prospective cohort study. Lancet 2014 Jan

 

 

 

 

 

 

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