Frei#  Bei den meisten Männern mit klinisch lokalisiertem Prostatakrebs ohne kurative Therapie brachte die primäre Hormonentzugstherapie keinen Nutzen.

Prostatakrebs ist die dritthäufigste Krebserkrankung des Mannes mit einer Letalität von knapp 3 %. Therapeutisch kommen im Wesentlichen chirurgische, strahlentherapeutische und hormontherapeutische Verfahren zur Anwendung. Die Hormontherapie fußt auf der meist starken Abhängigkeit des Prostatakarzinoms von Testosteron. Der Androgen-Entzug führt zu einem Rückgang oder Stillstand in der Krankheitsentwicklung. Das klinisch lokalisierte Prostatakarzinom wird häufig primär mit einer Androgen-Entzugstherapie behandelt. Ihre Wirksamkeit auf die krebsspezifische und allgemeine Mortalität ist jedoch bisher nicht erwiesen. Da die Androgen-Entzugstherapie breit eingesetzt wird und durchaus ernst zu nehmende Nebenwirkungen nach sich ziehen kann, braucht man gute Mortalitätsdaten, um Behandlungsentscheidungen besser abwägen zu können.

Ein retrospektive Kohortenstudie wertete unter Einbeziehung des Krebsregisters von drei privatwirtschaftlich orientierten Krankenkassen die Daten von 15.170 Männern aus, bei denen im Zeitraum von 1995 bis 2008 Prostatakrebs diagnostiziert wurde. Die Männer hatten keine kurative Therapie erhalten. Ihre Daten waren durchgehend bis Dezember 2010 auswertbar. Die Gesamt- und Prostatakrebs-spezifische Mortalität wurde als primärer Endpunkt der Studie definiert.

Die Androgen-Entzugstherapie war weder mit einer erhöhten Gesamtmortalität (Hazard Ratio 1,04) noch mit einer erhöhten Prostatakrebs-spezifischer Mortalität (Hazard Ratio 1,03) assoziiert nach Adjustierung aller soziodemografischen und klinischen Eigenschaften. Weiterhin nur in der Subgruppe der Männer mit hohem Progressionsrisiko war die Androgen-Entzugstherapie mit einem verringerten Risiko der Gesamtmortalität assoziiert (Hazard Ratio 0,88) t.

Schlussfolgerung: Die Androgen-Entzugstherapie konnte das Mortalitätsrisiko der Männer mit klinisch lokalisiertem Prostatakrebs ohne kurative Therapie nicht senken. Männer, die ein höheres Progressionsrisiko haben, profitieren vermutlich geringfügig von der Androgen-Entzugstherapie. Damit liefert die Studie den gegenwärtigen besten Beleg, dass eine Androgen-Entzugstherapie den meisten Männern mit lokalisiertem Prostatakrebs wenig oder gar keinen Nutzen bietet.

1-Potosky AL et al. Effectiveness of primary androgen-deprivation therapy for clinically localized prostate cancer. J Clin Oncol 2014 Mar 17

 

 

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