Aktuelle Studie in "JAMA": Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung der Frau in Deutschland. Etwa jede 8. Frau erkrankt in ihrem Leben daran. Es gibt sowohl erworbene, als auch erbliche Risikofaktoren. Bei den erblichen Faktoren spielen die BRCA-Gene eine Rolle.

Diese Gene haben im gesunden Körper die Funktion die Krebsentstehung zu verhindern. Sind sie mutiert, können sie diese Funktion nicht mehr ausüben und die Entstehung von Krebs, insbesondere Brust- und Eierstockkrebs, wird begünstigt.
Die klinische Behandlung von BRCA1- und BRCA2- Mutationsträgerinnen fordert eine genaue, prospektive Einschätzung des Risikos an Krebs zu erkranken.
Diese Studie untersuchte das altersbedingte Risiko von Mutationsträgerinnen an Brust- und Eierstockkrebs sowie an kontralateralem Brustkrebs zu erkranken. Zudem wurde das Erkrankungsrisiko in Anbetracht der familiären Vorbelastung und Mutationslokalisation evaluiert.
Hierfür erfolgte im Rahmen einer prospektiven Kohortenstudie im Zeitraum
1997 bis 2011 die Rekrutierung von 6036 weiblichen BRCA1- und 3820 BRCA2- Mutationsträgern. 5046 Probandinnen waren gesund, 4810 litten zu Beginn der Untersuchungen an Brust- und/oder Eierstockkrebs. Als Datenquellen dienten die International BRCA1/2 Carrier Kohortenstudie, das Breast Cancer Family Register und das Kathleen Cuningham Foundation Konsortium für Forschung im Bereich des familiär bedingten Brustkrebses. Die Datenerhebung erfolgte über Familienkliniken (94%) und populationsbasierte Studien (6%). Die Mehrheit der Daten stammte von großen nationalen Studien im vereinigten Königreich (EMBRACE), in den Niederlanden (HEBON) und Frankreich (GENEPSO). Das Follow-Up endete im Dezember 2013. Das mittlere Follow-Up betrug 5 Jahre.
Die Hauptoutcomes waren die jährlichen Inzidenzen, standardisierte Inzidenzratios und kumulative Risiken für Brust- und Eierstock- sowie kontralateralen Brustkrebs. Bei 3886 Frauen (mittleres Alter 38 Jahre), die in die Brustkrebsanalyse eingeschlossen wurden sowie bei 5066 Probandinnen (mittleres Alter 38 Jahre), die in die Eierstockkrebsuntersuchung eingeschlossen wurden und bei 2213 Frauen (mittleres Alter 47 Jahre), bei welchen die Brustkrebserkrankung der kontralateralen Brust analysiert wurde, konnte bei 426 Brustkrebs, bei 109 Eierstockkrebs und bei 245 Krebs der kontralateralen Brust während des Follow-Ups festgestellt werden.
Das kumulative Brustkrebsrisiko bis zum 80. Lebensjahr betrug 72% für BRCA1-Mutationsträgerinnen und 69% für BRCA2 - Mutationsträgerinnen. Die Inzidenz an Brustkrebs zu erkranken stieg bei BRCA1- Mutationsträgerinnen im frühen Erwachsenenalter vom 30.-40. Lebensjahr stark an. Bei BRCA2- Mutationsträgerinnen konnte dieser Inzidenzanstieg vom 40.-50. Lebensjahr festgestellt werden. Nach dieser Altersspanne blieb die Inzidenz bis zu einem Alter von 80 Jahren konstant (20-30 pro 1000 Personenjahre). Das kumulative Eierstockkrebsrisiko bis zum 80. Lebensjahr betrug 44% bei BRCA1- und 17% bei BRCA2- Mutationsträgerinnen. Für den kontralateralen Brustkrebs wurde für Probandinnen mit BRCA1- Mutation ein 40%iges kumulatives Risiko, für Probandinnen mit BRCA2- Mutation ein 26%iges Erkrankungsrisiko 20 Jahre nach Stellung der Erstdiagnose ermittelt. Mit steigender Anzahl an erst- und zweitgradigen Verwandten mit Brustkrebs, die sowohl BRCA1- und BRCA2- Mutationsträgerinnen waren, stieg das  Risiko an Brustkrebs zu erkranken an.
Zudem war das Erkrankungsrisiko größer wenn die Mutation bei BRCA1 außerhalb vs. innerhalb der Region mit der Position c.2282-c.4071 und bei BRCA2 außerhalb vs. innerhalb der Region mit der Position c.2831- c.6401 lokalisiert war.
Fazit: Die Ergebnisse der Analysen liefern mittels prospektiv gesammelten Daten Einschätzungen des Risikos von BRCA1- und BRCA2- Mutationsträgerinnen an Brustkrebs zu erkranken. Zudem demonstrieren sie die potentielle Wichtigkeit der familiären Vorbelastung und Lokalisation der Mutation bei der Risikobeurteilung.

Kuchenbaecker et al. Risks of breast, ovarian, and contralateral breast cancer for BRCA1 and BRCA2 mutation carriers. JAMA 06/2017

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