Frei#  Orales Nifedipin versus intravenöses Labetalol bei der Behandlung des akuten Bluthochdrucks bei hypertensiven Notfällen in der Schwangerschaft: eine randomisierte Studie.

In dieser Studie sollte orales Nifedipin mit intravenösem Labetalol hinsichtlich der Schnelligkeit hypertensive Notfälle in der Schwangerschaft zu kontrollieren, verglichen werden. Es wurde eine randomisierte doppel-blinde Studie an einem Universitätskrankenhaus in Malaysia durchgeführt. (Anmerkung: Labetalol gehört zu der Gruppe der Betablocker. Es ist in Deutschland nicht zugelassen.) Die Teilnehmer der Studie waren schwangere Frauen mit schwerem Gestationshypertonus ? 160/110 mmHg, die eine sofortige Behandlung benötigten.

Die Patienten wurden randomisiert, um Nifedipin (10mg Tablette oral, bis zu fünf Dosen) und intravenöse Placebo-Kochsalzlösung-Injektionen oder um eine intravenöse Labetalol-Injektion (in einem eskalierenden Dosisschema von 20, 40, 80, 80 und 80mg) und eine Placebotablette alle 15 Minuten zu erhalten, bis der Zielblutdruck von ?150/110 mmHg erreicht war. Die Crossover-Therapie wurde durchgeführt, wenn das initiale Therapieregime nicht erfolgreich war. Der primäre Endpunkt war die benötigte Zeit, bis der Blutdruck auf ?150/110 mmHg eingestellt war.

Die durchschnittliche Zeit, die benötigt wurde, um den Zielblutdruck zu erreichen, betrug 30 Minuten (Interquartilenbereich IQR 22,5 bis 67,5 Minuten) versus 45 Minuten (IQR 30 bis 60 Minuten) respektive für Nifedipin und Labetalol (p=0,59). Wiederholte Messungsanalysen der Varianz zeigten, dass in der ersten Stunde sowohl der systolische (F=87,6, p<0,001) als auch der diastolische (F=55,8, p<0,001) Blutdruck signifikant abfiel. Es wurde aber kein Unterschied zwischen den Nifedipin-Grupen und den Labetalol-Gruppen sowohl für die systolischen (F=0,12, p=0,74) als auch für die diastolischen (F=0,92, p=0,34) Blutdrucktrends über die Zeit beobachtet. Eine Crossover-Behandlung wurde von 20% der Frauen beider Gruppen benötigt.

FAZIT: Behandlungsstrategien mit oralem Nifedipin und intravenösem Labetalol waren ähnlich effektiv bei der akuten Behandlung einer schweren Hypertension in der Schwangerschaft.

Nifedipin ist des Weiteren oral schneller wirksam, gut dosierbar und kostengünstig.

Nachtrag: Laut einer neuen Positionspapier von ACOG (American College of Obstetricians and Gynecologists) 2013 ist zur Diagnose einer Präeklampsie das Vorhandensein einer Proteinurie nicht zwingend notwendig. Eine Präeklampsie kann auch beim Fehlen von Proteinurie diagnostiziert werden, wenn eine der folgenden klinischen Symptome zu Hypertonie in der Schwangerschaft sich gesellen: Leberfunktionsstörungen, Thrombozytopenie, Lungenödem, neu aufgetretene Nierenfunktionsstörung, oder auch neue zerebrale oder visuelle Funktionsstörungen.

1- Shekhar S et al. Oral nifedipine or intravenous labetalol for hypertensive emergency in pregnancy: A randomized controlled trial. Obstet Gynecol 2013 Nov; 122:1057.

2-ACOG: Hypertonie in Pregnancy (PDF), 2013

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