Ambulantes Management der aggressiven und deliranten Patienten stellt oft eine große Herausforderung für die medizinischen Rettungskräfte. Schnelle Sedierung und Kontrolle dieser Patienten ist wichtig für die prähospitale Diagnose und Therapie sowie für die Sicherheit der Patienten und des Rettungsteams.

Bisher gibt es keine Standard-Empfehlungen zur sedierenden Medikation bei aggressiven und deliranten Patienten. In Deutschland wird Midazolam (Dormicum) oder auch Diazepam oft eingesetzt. Als Alternative bietet sich des Weiteren Ketamin an, welches einen schnellen Wirkungseintritt hat, und sedative und schmerzlindernde Eigenschaften besitzt. Eine aktuelle Studie in "Journal of Emergency Medicine" überprüfte die Wirksamkeit und Sicherheit von Ketamin intramuskulär in dieser Patientengruppe unter ambulanten Bedingungen (1).

Hintergrundinformation: Ketamin ist ein Narkosemittel zur Sedierung und Schmerztherapie in der Anästhesie. Ketamin hat zwar eine lange HWZ, führt aber im Vergleich zu Propofol nicht zu einer respiratorischen Insuffienz. Ketamin kann psychotrope Nebenwirkungen (wie Pseudohalluzationen) auslösen.

Die Autoren analysierten die Einsatz-Berichte der Rettungskräfte in einem Vorort von Florida, und identifizierten 52 aggressive und delirante Patienten, die nach einem bestimmten Protokoll i.m. Ketamin (4mg/kg) vorstationär erhalten hatten. 26 von 52 Patienten hatten zusätzlich i.v. Midazolam (Dormucium) erhalten, nach dem diese sediert waren, um mögliche akute Nebenwirkungen von Ketamin zu mildern (Medknowledge-Anmerkung: Ketamin kann Pseudohalluzationen auslösen).

50 der 52 Patienten waren nach Ketamin-Eingabe innerhalb weniger Minuten sediert. Alle Patienten konnten ins Krankenhaus transportiert werden, bevor die Sedierung durch Ketamin nachgelassen hatte. 26 Patienten hatten zusätzlich Midazolam erhalten, von diesen hatten 3 respiratorische Komplikationen entwickelt.

Fazit: Ketamin kann akut aggressiv-deliranten Patienten unter ambulanten Bedingungen nach einem spezifischen Protokoll sicher und effektiv sedieren. In der Studie wurde es von den "Paramedics" (nicht ärztliche-Rettungskräfte) angewendet. Ketamin wirkt schnell sedierend und verursacht lediglich geringe klinisch-bedeutsame Nebenwirkungen. Des Weiteren kann es im Notfall intramuskulär ohne einen intravenösen Zugang verabreicht werden.

1-Scheppke et al. Prehospital use of IM ketamine for sedation of violent and agitated patients. West J Emerg Med. 2014 Nov;15(7):736-41

 

 

 

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