Frei#  Bekanntlich können dopaminerge Medikamente wie L-Dopa oder Dopaminagonisten die Symptome des Restless-Legs-Syndromes (RLS) lindern. Genauso bekannt ist jedoch, dass die dopaminerge Medikamente zu einer Verschlechterung (Augmentation) der RLS in der Langzeit-Therapie führen können. Gleichzeitig sind die Therapie-Optionen bei RLS relativ begrenzt. Bisher wurde der GABA-Neurotransmitter-Agonist Gabapentin ebenfalls mit unterschiedlichem Erfolg und unterschiedlichen Dosierungen bei RLS eingesetzt, vor allem bei Patienten, die auf Dopaminagonisten nicht mehr ansprachen. Eine aktuelle Studie (1) in der Fachzeitschrift NEJM untersuchte, ob Pregabalin eine wirksame Therapie-Alternative ist.

Ähnlich wie Gabapentin hat Pregabalin (Lyrica) eine strukturelle Ähnlichkeit mit Gammaaminobuttersäure (GABA), welches ein wichtiges Neurotransmitter-Inhibitor im Gehirn ist (2). Pregabalin soll sich an Kalziumkanälen im zentralvenösen Nervensystem binden und dadurch die Freisetzung stimulierender Neurotransmitter hemmen, und somit eine Beruhigung des hyperaktiven Schmerzsystems einleiten. Pregabalin ist in Deutschland als Lyrica gegen Epilepsie und peripheren neuropathischen Schmerzen seit 2004 zugelassen (2).

In der aktuellen randomisierten Studie wurde die Wirksamkeit und Augmentation bei Patienten mit RLS, die mit Pregabalin behandelt wurden, mit Placebo und dem Dopaminagonist Pramipexol (Sifrol) verglichen.

Die Patienten wurden 52 Wochen lang für eine der folgenden Gruppen randomisiert: Pregabalin-Therapie mit einer Dosis von 300 mg pro Tag, oder Pramipexol bei einer Dosis von 0,25 mg oder 0,5 mg pro Tag, oder 12 Wochen Placebo. Anschließend erhielten die Patienten 40 Wochen lang eine nach dem Zufallsprinzip zugewiesene Therapie. Die Wirksamkeit der Therapien wurden anhand von IRLS-Score und „Clinical Global Impression of Improvement scale" gemessen.

Insgesamt 719 Patienten nahmen an der Studie teil. In den ersten Wochen erzielte Pregabalin eine signifikante Besserung der RLS-Beschwerden als Placebo (71% vs. 46%). Des Weiteren war die Häufigkeit der Augmentation nach 40 bis 52 Wochen in der Pregabalin-Gruppe niedriger als in der Pramipexol-Gruppe (2.1% vs. 7.7%). Es gab in der Pregabalin-Gruppe 6 Fälle mit suizidalen Absichten, und 5 in der Pramipexol-Gruppe.

Fazit: Pregabalin führte zu einer signifikant Besserung der Restless-Legs-Syndrome. Unter Pregabalin kam es des Weiteren seltener zu einer Augmentation als unter dem Dopaminagonist Pramipexol.

Anmerkung: Die Therapie-Ergebnisse für Pregabalin, insbesondere die geringere Augmentationsrate, sind vielversprechend. Es gibt jedoch weitere Aspekte, die beachtet werden sollten. Die bekannten häufigen Nebenwirkungen von Pregabalin Benommenheit und Schläfrigkeit könnten möglicherweise die Aufdosierung verhindern, bzw. die Therapie einschränken. Weiterhin hatte die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft Anfang 2011 auf das Abhängigkeitspotenzial von Pregabalin hingewiesen.

1- Allen et al: Comparison of Pregabalin with Pramipexole for Restless Legs Syndrome. Engl J Med 2014; 370:621-631

2-Pregabalin (Lyrica) gegen Epilepsie und Neuropathische Schmerzen

 

 

 

 

 

 

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