Frei#  Die einflussreiche Fachgesellschaft American Academy of Pediatrics hat eine neue Liste mit 10 Tests und Therapie bei Kindern, die oft nicht notwendig sind, publiziert (1).

1-Ärzte sollen für viral bedingte Atemwegsinfektionen keine Antibiotika verschreiben: Unnötige Antibiotika kann Antibiotika-Resistenzen, Kosten und das Risiko für Nebenwirkungen erhöhen (Medknowledge-Anmerkung: Siehe die Algorithmen/Leitlinien zur Antibiotika-Therapie bei Atemwegsinfektionen, 2-4).

2- Husten und Erkältungs-Medikamente sollten für Atemwegsinfektionen bei Kindern unter 4 Jahren nicht verschrieben werden: Diese Medikamente zeigen bei Kleinkindern wenig Nutzen, dafür häufiger Nebenwirkungen. Die Meisten dieser Medikamente haben mehrere Inhaltsstoffe, und können daher das Risiko der Überdosierung in Kombination mit anderen Produkten erhöhen.

3- Notfall-CCTs (Computer-Tomographie des Kopfes) sind zur umgehenden Evaluierung von geringen Kopfverletzungen nicht notwendig. PECARN-Kriterien (http://www.medknowledge.de/abstract/med/med2013/03-2013-17-klinischer-pecarn-voraussage-tool.htm) können zur Entscheidung eingesetzt werden, welche Kinder eine sofortige CCT brauchen. Röntgenstrahlen können vor allem bei Kindern das Langzeit-Hirnkrebsrisiko erhöhen, da bei diesen Hirngewebe noch im Wachstum und dadurch empfindlicher für Röntgen-Strahlen sind.

4- Neuroimaging (CT, MRT) ist bei Kindern mit einem einfachem Fieberkrampf nicht notwendig. Die Ärzte sollten sich eher auf die Ursachen des Fiebers konzentrieren.

5- CT-Abdomen ist zur Routine-Diagnostik von Bauchschmerzen in der Notaufnahme nicht notwendig.

6- Ärzte sollten kein Hochdosis-Dexamethason (0.5mg/kg täglich) zur Prävention oder Therapie der bronchopulmonalen Dysplasie bei Frühchen einsetzen. Bisher gibt es kein Nachweis, dass Hochdosis-Dexamethason besser als Lowdose-Dexamethason wirkt. Die hohen Dosen sind jedoch mit Kurz- und Langzeit-Nebenwirkungen assoziiert, wie neurologische Wachstumsstörungen.

7-Ärzte sollten keine Screening-Tests (IgE-Tests) für Lebensmittelallergien anordnen, ohne die Anamnese der Patienten zu berücksichtigen. Viele Menschen reagieren positiv auf Tests, ohne dass eine klinische Allergie vorliegt. Zum Beispiel würden 8% der Menschen positiv auf Erdnuss-Allergietest reagieren, aber nur 1% hätten eine wirkliche Allergie mit Symptomen bei Erdnuss-Konsum.

8- Säureblocker (gemeint ist wahrscheinlich PPIs) und Magen-Darm-Motilitäts-Verstärker wie Metoclopramid sollten für physiologischen gastroösophagalen Reflux (GER) nicht eingesetzt werden.

9- Ärzte sollten keine Urinkulturen für Diagnose und Therapie der asymptomatischen Bakteriurie anordnen.

10- Für Säuglinge sollte Apnoe-Monitoring zur Prävention vom plötzlichen Kindstod (SIDS) nicht routinemäßig verwendet werden. Apnoe-Monitoring könnte eher für bestimmte Säuglinge mit Risiko für Apnoe oder kardiovaskuläre Ereignisse nach der Entlassung aus dem Krankenhaus eingesetzt werden.

1-American Academy of Pediatrics: Ten Things Physicians and Patients Should Question, =3/2014

2-Akute Pharyngitis (Rachenentzündung) : Algorithmus zur Antibiotika-Therapie, 2006

3-Streptokokken-Pharyngitis: NEJM-Algorithmus zur Diagnose und Therapie - US-Leitlinien, 2011

4-Akute Bronchitis: grundsätzlich keine Antibiotika bei unteren Atemwegsinfektionen, nur bei Verdacht auf Pneumonie, 22.12.2012

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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